Westfälisches Landestheater zeigt Nathan der Weise in der Unterführung am Schloss
Toleranzappell als Straßenszene im Wartesaal

Münster -

Der erfolgreiche und wohlhabende Händler Nathan schreitet nachdenklich über die improvisierte Bühne in der Unterführung am Schloss. Ein paar grüne Plastikstühle und ein Getränkeautomat möblieren den Tunnel im Neonlicht zum zeitlosen und unbestimmten Wartesaal. Doch bald füllt sich der gewollt trostlose Ort.

Sonntag, 13.05.2018, 16:05 Uhr

Nathan (Guido Thurk), Sittah (Xenia Wolfgramm), Saladin (Mike Kühne), Tempelherr (Maximilian von Ulardt) und Reha (Franziska Ferrari).
Nathan (Guido Thurk), Sittah (Xenia Wolfgramm), Saladin (Mike Kühne), Tempelherr (Maximilian von Ulardt) und Reha (Franziska Ferrari). Foto: Heike Eickhoff

Der erfolgreiche und wohlhabende Händler Nathan schreitet nachdenklich über die improvisierte Bühne in der Unterführung am Schloss. Ein paar grüne Plastikstühle und ein Getränkeautomat möblieren den Tunnel im Neonlicht zum zeitlosen und unbestimmten Wartesaal. Doch bald füllt sich der gewollt trostlose Ort. Der Andrang zu „Nathan der Weise“ war derart groß, dass freundliche Helfer am Eingang viele Interessierte abweisen mussten: „Die Halle ist überfüllt.“ Lessings „Nathan“ mit seinem Appell an Toleranz ist aktuell und publikumswirksam wie eh und je.

Im Rahmen des Katholikentages führte das Westfälische Landestheater das Drama in der Schlossunterführung auf, der sonst als Fußgängertunnel brach liegenden Betonröhre. Die wie aus einem privaten Kleiderschrank entnommen wirkenden Kostüme (Regine Breitinger) und die karge Kulisse (Manfred Kaderk) verlegten den Klassiker in die Gegenwart, die unauffällige Maske (Anja Reuter) ließ die hautnah agierenden Schauspieler als Alltagsmenschen wirken. Das grelle Neonlicht wurde durch das mobile Bühnenlicht (Thomas Leenen) mit ein paar Farben und Blitzen verstärkt, ein paar Fetzen Musik und glasklar verstärkte Sprechstimmen (Fabia Jaeger) versorgten die Ohren mit sehr expressiven Eindrücken. Die Inszenierung des Münsteraners Markus Kopf ist auf sehr direkte Wirkung angelegt.

Der jugendliche Tempelherr (Maximilian von Ulardt) stürmt rauchend, meist lautstark, über die Bühne, die junge Recha (Franziska Ferrari) tanzt und singt wie ein verspäteter Teenager um die erwachsenen Protagonisten herum. Nathan (Guido Thurk) bleibt immer ruhig und sachlich. So ruhig, dass er ziemlich bleich zwischen dem auffallend jugendlich agierenden Paar wirkt. Saladin (Mike Kühne) kommt als gemütlicher und pragmatischer Staatschef daher, von seiner Schwester Sittah (Xenia Wolfgramm), die den Charme einer Maklerin verströmt, immer ein bisschen zur Aktion angetrieben. Daja (Vesna Buljevic) sorgt als humorlose, aber warmherzige, ältere Gouvernante für Bodenhaftung.

Die Zuschauer applaudierten lange und sehr herzlich.

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