Kunst am Bahnhof ist anziehend
Kirkpatrick und Cremer: Rehbergers Schaltkästen-Skulpturen bergen große Chancen

Münster -

Sie thronen grau und schmucklos, manchmal mit zerfledderten Plakaten beklebt oder mit Graffiti verschmiert, auf den Bürgersteigen. 69 solcher Schaltkästen gibt es im Bahnhofsviertel – und wenn es nach Peter Cremer und Gail Kirkpatrick geht, wird sich diese unscheinbar-hässliche Stadtmöblierung in absehbarer Zeit zu einem Publikumsmagneten mausern, der internationale Kunstinteressierte anlockt.

Freitag, 03.02.2012, 17:02 Uhr

Kunst am Bahnhof ist anziehend  : Kirkpatrick und Cremer: Rehbergers Schaltkästen-Skulpturen bergen große Chancen
Das ist eine der neuen Stadtskulpturen von Tobias Rehberger – die im vergangenen Sommer installierte schwingende, transparente und leuchtende Brücke über den Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen. Foto: Roman Mensing

Tobias Rehberger , der hochdekorierte zeitgenössische Künstler und Professor der Frankfurter Städelschule, soll die Schaltkästen rund um den Bahnhof in Kunstwerke verwandeln. „Er ist immer noch bereit“, versicherte Gail Kirkpatrick, die Leiterin der Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst der Stadt Münster . Das ist nicht ganz selbstverständlich, denn das Projekt der Immobilien- und Standortgemeinschaft Bahnhofsviertel Münster (ISG) hat aus der Öffentlichkeit gehörigen Gegenwind bekommen.

Peter Cremer , Vorsitzender der ISG, Hotelier des Kaiserhofs an der Bahnhofstraße und selbst leidenschaftlicher Kunstsammler, möchte Missverständnisse ausräumen: Wenn das Projekt in Münster nicht die politische Zustimmung erhalte, gingen Münster nicht nur rund 200.000 Euro an Landesmitteln verloren, sondern vor allem: „Kunst, mit der die Stadt weit über ihre Grenzen hinaus von sich reden – und die das Bahnhofsviertel lebenswerter, schöner und origineller macht.“ Probleme mit Vandalismus werde es nicht geben, versichert Cremer. Jeder Kunst-Schaltkasten werde einen Paten im Viertel bekommen, der dafür sorge, dass die „Skulptur“ unversehrt bleibe.

Das Honorar für den Künstler Tobias Rehberger liegt bei rund einer halben Million Euro. Die Hälfte davon tragen die Mitglieder der ISG, 40 Prozent kommen vom Städtebauministerium NRW und zehn Prozent muss die Stadt beisteuern.

Rehberger ist vielen Münsteranern durch die Skulptur 97 bekannt, als er das Dach des Hörsaalgebäudes am Hindenburgplatz mit einem roten Teppich auslegte, dort eine Bar eröffnen ließ und den sonst tristen, verlassenen Ort einen Sommer lang zu einem der beliebtesten Treffpunkte der Stadt machte.

Die ISG lässt Rehberger freie Hand bei der Gestaltung – eines ist aber schon jetzt sicher: „Es geht um viel mehr, als die Kästen zu bemalen oder bloß zu verschönern“, stellt Cremer klar. Die Idee der „sozialen Skulptur“ werde auch bei Rehbergers Projekt im Bahnhofsviertel eine Rolle spielen.

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