Der Name wäre weltweit einzigartig
Künstler Stephan Us schlägt statt Hindenburgplatz „Der weiße Fleck“ vor

Münster -

Es klingt im ersten Moment wie eine Verspottung. Stephan Us hat offiziell über den Oberbürgermeister Markus Lewe beim Rat der Stadt Münster beantragt, dass der Hindenburgplatz in „Der weiße Fleck“ umbenannt wird. Doch bei aller Schelmerei ist es dem münsterischen Künstler Ernst. Aus geschichtspolitischen, städtebaulichen, finanziellen und nicht zuletzt Marketing-Gründen findet er seine Idee überzeugend: „Der Name wäre weltweit einzigartig.“

Donnerstag, 08.03.2012, 18:03 Uhr

Der Name wäre weltweit einzigartig : Künstler Stephan Us schlägt statt Hindenburgplatz „Der weiße Fleck“ vor
Die „Grundfleck-Legung“ hat Stephan Us gestern vorgenommen. Jetzt muss der Hindenburgplatz „nur“ noch umbenannt werden in „Der weiße Fleck“. Foto: Gerhard H. Kock

Dem münsterischen Künstler ist durchaus die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens bewusst. Soll doch laut Verwaltungsvorlage der Hindenburgplatz einfach unter den Tisch fallen, in dem der Schlossplatz ausgedehnt wird. Doch nach der Sponti-Devise „Du hast keine Chance, also nutze sie“ treibt Us sein Vorhaben unverdrossen voran. Gestern platzierte er an der Grenze von Schloss- und Hindenburgplatz schon mal eine weiße Plakette mit dem entsprechenden Hinweis.

Das verwendete Material hat die Familie beigesteuert. Stephan Us stammt aus dem Oldenburgischen, und dort arbeiten viele seiner Verwandten in der Produktion eines weltweit bekannten Hautcreme-Herstellers. Bei der Fertigung der Plastiktöpfe für die Pflegemasse fällt immer wieder Kunststoff-Abfall ab. Ein solcher flacher Klecks ist nun der weiße Fleck von Münster . Der verweist jetzt schon mal auf die Gründe, warum der ganze Platz so heißen sollte: Die Wissenschaft erforsche immer eine „Terra incognita“, ein unbekanntes Land. Dieser weiße Fleck auf einer Landkarte war und bleibt Sinnbild für das prinzipielle Nichtwissen.

Städtebaulich wäre daher ein solcher Bezug zur Universität mit ihren Forschungseinrichtungen überaus passend. Finanziell hält sich die reine Umbenennung in Grenzen; Aber zudem wünscht sich Us, dass die Fläche frei bleibt und weiß gestaltet wird. Das Marketing ist sicher sein stärkstes Argument. Ein „Weißer Fleck“-Platz ist einzigartig, er zeigt sowohl Humor als auch philosophische Tiefe und ließe sich auf diese Weise als Skurrilität vermarkten.

Als Fleck wäre er vermutlich sogar aus dem Weltall sichtbar, am Boden wäre der weiße Fleck wohl eher eine weiße Fläche. Auf dem Poller mit dem Fleck hat Us übrigens ein Modell-Figürchen gestellt, das mit einem weißen Plakat demonstriert. Das ist zum einen ein Hinweis auf das „Archiv des Nichts“, das der Münsteraner seit Jahren betreibt und zum anderen eine kleine Werbung für die nächste Performance: Am 17. März soll in Münster die weltweit größte Demonstration für Nichts stattfinden.

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