Ein bisschen zerbrechlich
Theaterlabor zeigt brillante „Lola Blau“ mit Kathrin Marhofen

Münster -

Diese Lola Blau ist keine Femme fatale mit gurrender Stimme und feurigem Blick. Sehr natürlich und direkt, manchmal gar ein bisschen zerbrechlich kommt sie daher. Und trotzdem übersteht sie Schlimmes: Verlust des geliebten Mannes und der beruflichen Perspektive, Emigration und Rückkehr nach Kriegsende mit der Hoffnung auf ein neues, freies Österreich und die alte große Liebe. Mit zu Beginn fast naiver Ergebenheit meistert sie diese Situationen. Doch dann wird der Geliebte kurz vor dem langersehnten Wiedersehen in Wien als „Saujude“ angepöbelt. Hier endet „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler und lässt Raum für eigene Gedanken.

Sonntag, 13.05.2012, 17:05 Uhr

Ein bisschen zerbrechlich : Theaterlabor zeigt brillante „Lola Blau“ mit Kathrin Marhofen
Kathrin Marhofen in der Titelrolle. Foto: Heike Eickhoff

Kreislers Lola ist beim Theaterlabor Münster wunderbar aufgehoben, wie die Premiere am Freitag zeigte, denn Helmut Korhammers umsichtige Leitung lässt dieser jungen Lola Blau (Kathrin Marhofen) große Authentizität. Weder Marhofen noch der Rest der konzentrierten kleinen Truppe sind professionelle Schauspieler. Stattdessen nutzen sie das Theaterlabor als spannende Probebühne und schaffen eine frische Produktion, die bis zur letzten Minute sehenswert bleibt. Kathrin Marhofen beispielsweise ist weder Tänzerin noch Sängerin, geht aber mit viel Herzblut an die Rolle. Man nimmt ihr die Lola Blau so ab, wie sie eben gerade ist. Die tollen Songs Kreislers, der die Emigration in die USA und die Rückkehr nach Europa selbst erlebt hat, sind allerdings auch umwerfend. „Im Theater ist was los“ wird zu einem der Höhepunkte, denn die Parodien auf Pariser, Wiener, Berliner und ungarischen Musikstil gelingen Kathrin Marhofen prächtig. Auch der „zweitälteste Frauenberuf“, gemeint ist die Dame der gehobenen Gesellschaft und internationalen Beziehungen, kommt ziemlich klasse. Weil keiner aus dem jungen Ensemble sich nach vorn spielt, kommen die menschlichen und politischen Aspekte der Story deutlich heraus. Kreisler hat mit der Lola Blau mit spitzem Bleistift und tollen Liedern ein schlimmes Kapitel der neueren Geschichte eindrucksvoll skizziert – im Theaterlabor verblasst diese Ebene nicht hinter der Dominanz einer großen Bühnendiva. Und das ist gut so.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/737183?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F696547%2F741192%2F
Nachrichten-Ticker