Reiseziel Skandinavien
Bastian Heymels gelungener Einstand beim JuSi

Münster -

Wenn das kein gelungener Einstand war! Gefeiert wurde er nicht nur vom Publikum, sondern ganz besonders auch vom Orchester: Bastian Heymel. Er dirigierte am Mittwochabend sein erstes Konzert mit dem Jungen Sinfonieorchester an der WWU und trat damit an die Stelle von Werner Marihart.

Donnerstag, 05.07.2012, 20:07 Uhr

Reiseziel Skandinavien : Bastian Heymels gelungener Einstand beim JuSi
Genossen sichtlich den Applaus: Solistin Alina Kabanova, Dirigent Bastian Heymel und das Junge Sinfonieorchester an der WWU. Foto: cws

Die Aasee-Aula mutierte zu einem Riesen-Reisebus, dessen Ziel Skandinavien hieß. Erst einmal der nicht ganz so hohe Norden, denn Carl Nielsen war Däne. Seine Helios-Ouvertüre indes ist vom sonnigen Griechenland inspiriert. Verhalten meldeten sich die ersten Morgenstrahlen, Tau lag noch über dem Land, ein wenig auch auf dem Orchesterklang. Aber der verzog sich spätestens mit der gleißenden Glut der Mittagshitze. Nielsens Ouvertüre ist ein ziemlich kniffliges Stück, das rhythmisch schwer übereinander zu bekommen ist. Die rundum richtige Konfektionsgröße für die „JuSis“ war das berühmte Klavierkonzert von Edvard Grieg, zumal im Verein mit der grandiosen Alina Kabanova. Äußerlich wirkte die in der Ukraine geborene Pianistin ziemlich unaufgeregt, ihr Spiel aber verriet jede Menge Temperament und strotzte gleich im Eingangssatz vor Kraft. Trotzdem ist Alina Kabanova keine „Tastenlöwin“, ihr Spiel kein Hochleistungssport, sondern eine sehr persönliche, intime und expressive Angelegenheit – das traumhafte Adagio genügte dafür als Beleg. Auch dies nicht selbstverständlich: die perfekte Verzahnung von Orchester und Klavier. Alina Kabanova hatte halt immer auch ein Ohr quasi im Orchester und Bastian Heymel im Auge. Auf der Rückfahrt von der Grieg-Expedition nach Norwegen kehrten die JuSis zu Carl Nielsen zurück. Der schrieb 1894 als Opus 7 seine erste Sinfonie – auch dies ein anspruchsvolles Stück, das dem Orchester gut lag. Da gab es viele Augenblicke, in denen sich Instrumente solistisch präsentieren konnten, da wurde die Detailarbeit spürbar, die Bastian Heymel in dynamische Entwicklungen investiert hatte, auch in die Gestaltung von Übergängen. Dies alles machte einen sehr organischen und deshalb lebendigen Eindruck. Was der einen oder anderen Instrumentengruppe noch ein klein wenig fehlt, ist ein Quäntchen mehr Mut und noch mehr Selbstvertrauen. Das Potenzial ist ja da! Noch einmal besucht das Orchester den Norden, heute um 20 Uhr in der Aasee-Aula.

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