„Schlichtweg überwältigend“
Britischer Philosoph begeistert von deutschen Kleingärten

Münster -

„Diese Vielfalt an Blumen, diese vielen Farben und diese systematische Ordnung der Kleingärten als kleine Lebenseinheiten habe ich so vorher noch nie gesehen – es ist schlichtweg überwältigend.“ Der britische Philosoph Prof. David E. Cooper war am Dienstagabend voll des Lobes, als er erstmalig die Kleingärten der Langemarckstraße 73 betrat.

Mittwoch, 25.07.2012, 15:07 Uhr

„Schlichtweg überwältigend“ : Britischer Philosoph begeistert von deutschen Kleingärten
Auf Du und Du mit der Natur: Inmitten des Kleingartens der Gartenakademie fühlte sich der britische Philosoph David E. Cooper sichtlich wohl. Foto: pesa

Auf Einladung des Künstlers Wim Weppelmann reiste der ehemalige Präsident der Aristoteles- und der Friedrich Nietzsche-Gesellschaft sowie Philosoph der Universität Durham eigens aus England an, um in der Freien Gartenakademie einen Vortrag zu halten. „Die Vorstellung in einem Garten zu dozieren, hat mich sehr gereizt, einfach raus aus den staubigen Hörsälen.“ Die Neugier war sehr groß, und auch am Vortragsabend schaut er sich immer wieder staunend um. „Es ist einfach so friedlich hier, unvergleichlich.“ Vor rund 50 Zuhörern sprach Cooper auf Englisch zum Thema „Garden and The Way of Things“, ein zentrales Kapitel seines bald erscheinenden neuen Buches, das 2013 im Fokus eines Symposiums in den USA stehen wird. Seine Kernthese: Gärten symbolisieren eine fundamentale Wahrheit über die Beziehungen zwischen den Menschen und dem Universum, versinnbildlichen eine besondere Wertschätzung. „Gott hat die Welt geschaffen, die Gärtner pflanzen etwas im Kleinen an, was die Natur – ob zufällig oder gewollt – zu etwas Großem, ja Schönen macht“, philosophierte Professor Cooper auf einer weißen Bank im Schatten prächtiger Apfelbäume und Sonnenblumen. Im Laufe seines Vortrags kann man in der romantischen Abenddämmerung die verschiedenen Pflanzen riechen, ja förmlich schmecken, denn Cooper wählt auch in seiner Darstellung der Gartengeschichte der verschiedenen Kulturen und Kontinente zahlreiche blumige Bilder, spannt den grünen Daumen von Epikur und Taoismus bis heute. „Gärten wirken spirituell, vermitteln aber auch Werte, wie wir das deutlich in der Ordnung der deutschen Schrebergärten sehen.“ Je ungezwungener und unkommerzieller ein Garten bei allen Ordnungsstrukturen seiner Gärtner erscheine, desto ästhetischer, weil natürlicher sei er. „Die Harmonie der Gärten hier in Münster ist fantastisch.“ So farbenreich wie die Natur sei auch der Himmel. Deshalb könne man bei Gärten auch von kleinen Paradiesen sprechen, die heilende Kräfte besitzen können inmitten der hektischen Welt. Cooper hat es so gut gefallen, dass er gerne wiederkommen möchte. Das sah auch das Publikum so und diskutierte mit ihm noch bis Sonnenuntergang.

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