Unterirdische Kontostände
Künstler aus Münster veröffentlicht in Berliner U-Bahn seine Auszüge

Münster -

Für fast 100 000 Millionen Euro wurde jüngst Edvard Munchs „Schrei“ verkauft. Das hat mit Kunst nichts zu tun. Deutschlands teuerster Maler Gerhard Richter bekannte einmal: „Die Preise für meine Bilder sind absurd.“ Vielleicht auch, weil der Meister weiß, wie die Realität vieler Künstler wirklich aussieht. In weiten Teilen nämlich völlig anders. Einer macht das jetzt öffentlich: Oliver Breitenstein aus Münster. Der Künstler veröffentlicht in Berlin seine Kontoauszüge – als riesiges Plakat. Möglich geworden ist das Projekt durch die „Neue Gesellschaft für Bildende Kunst“ in Berlin. Die hat den Wettbewerb „Vorne Fahrn – Kunst im Untergrund“ ausgelobt. Zehn Künstler weist die Homepage als Gewinner aus, Breitenstein ist einer von ihnen.

Donnerstag, 26.07.2012, 14:07 Uhr

Unterirdische Kontostände : Künstler aus Münster veröffentlicht in Berliner U-Bahn seine Auszüge
So wird es ab Samstag in der Berliner U-Bahn-Station Reinickendorfer Straße aussehen, wenn der Münsteraner Oliver Breitenstein über die finanziellen Existenzbedingungen eines Künstlers informiert. Foto: Oliver Breitenstein

Der Münsteraner wird ab diesen Samstag seine Kontoauszüge vom Mai 2012 in 2,5 mal 3,5 Meter Größe in der U-Bahn­station Reinickendorfer Straße für vier Wochen „an die Wand knallen“. Es werden fünf Plakate sein mit jeweils einem seiner Kontoauszüge. „Und die sind bei mir nicht so toll.“ Breitenstein will stellvertretend für viele Künstler auf die prekäre Lage dieser Berufsgruppe hinweisen: „Man könnte das auch nennen: Ich bin Griechenland .“ Um das deutlich zu machen, will er sich nicht romantisierend zum „Armen Poeten“ machen, sondern die Lage „eins zu eins“ abbilden – durch seinen chronisch überzogenen Dispo-Kredit. Seine „Existenzbelege“ orientierten sich an einer „Ästhetik der Existenz“, so Breitenstein. Er verzichte auf jegliche künstlerische Überhöhung und zeige ungeschönt die prekäre Existenz des Einzelnen anhand von solch alltäglichen Zahlungsvorgängen. Sein Kunstprojekt thematisiere das Primat des Geldes über die Existenz und die Veräußerung von Daten als Einnahmequelle. Aufgrund seiner desaströsen Kontostände lässt sich Breitenstein mittlerweile die Einkünfte aus seinen Nebenjobs in bar auszahlen, was den Kurator besorgt fragen ließ: „ Schwarzgeld ?“ „Nee, ordentlich versteuert“, konnte Künstler Breitenstein versichern. Sollte er auch können: Diese Bar-Quittungen aus einem armen Künstlerleben werden gebunden als Hefte an Passanten verteilt. Neben der „normalen“ Finanzkrise hat der NRW-Haushalt die prekäre Lage verschärft. Denn Gelder für genehmigte Projekte in 2012 wurden nicht ausgezahlt. „Ich musste die Zeit überbrücken; das war locker ein halbes Jahr.“ Ende Oktober soll endlich Geld für die nächsten Projekte fließen. Breitenstein: „Das ist der Hoffnungsschimmer.“  | ngbk.de

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