Die gleiche Schärfe, derselbe Humor
Gebrüder Engel kehren mit „Sünder“ zu ihren Wurzeln zurück

Münster -

Die Bässe von Jogi Spittka dröhnen wie der Soundtrack zur Rock’n’Roll-Apokalypse, und auch die Schlagzeug-Gewitter von Gereon Homann verbreiten Endzeitstimmung. Die karamellhart gespielten Riffs und Soli von Gitarrist Ralf Heyne drohen mit Vergeltung: „Zeiten des Zorns“ heißt der musikalische Schlag in die Magengrube der Obrigkeit, mit dem die „Gebrüder Engel“ ihr achtes Original-Album „Sünder“ eröffnen.

Freitag, 10.08.2012, 19:08 Uhr

Die gleiche Schärfe, derselbe Humor : Gebrüder Engel kehren mit „Sünder“ zu ihren Wurzeln zurück
Die „Gebrüder Engel“ sind (v.l): Gereon Homann (Drums), Doc Heyne (Leadgitarre, Vocals), Tom Engel (Vocals, Gitarre, Bluesharp), Jogi Spittka (Baßgitarre, Vocals) Foto: gmg

Nachdem die Deutschrockband aus Münster und Berlin in den Texten ihrer vorigen LP „Die Wahrheit“ (1983) – etwa mit „Lebt wie’s euch passt“ – aufgegeben hatten, den Menschen ihr Konzept von Rebellion gegen Staatswillkür und Neonazi-Terror zu vermitteln, bekennen sich die Musiker rund um Mastermind, Sänger und Texter Tom Engel wieder zu ihren musikalischen und durchaus als demagogisch zu bezeichnenden Wurzeln.

Aufrührerisch und rebellisch klingen Musik und Texte von „Sünder“, nicht zuletzt durch den düster-heiseren Gesang von Tom Engel. Der schreit seine Botschaften nicht in die Welt, er flüstert laut, was umso eindringlicher klingt. Ralf „Doc“ Heyne war es, der nach dem Tod (2009) des bisherigen zweiten „Engel“-Texters Axel Schulß, den Produzenten Tom Engel in Berlin regelrecht zu ersten Proben für ein neues „Engel“-Projekt genötigt hatte. Der war anschließend so begeistert, dass Songs geschrieben wurden, Vorproduktionen stattfanden und im Jahr 2010 stand die aktuelle „Engel“-Formation bereits auf der Bühne. Während des Kreuzviertelfestestes 2010 in Münster waren Tom, Doc, Jogi und Gereon mit ersten Songs der nun veröffentlichen CD „Sünder“ live erleben.

Selbst Steffi Stephan (Bandmitglied der ersten Stunde) ließ sich nicht lange bitten, um bei einigen Songs, bei sommerlichen Temperaturen in poppigen Shorts, mit am Bass zu zupfen. Vor der Bühne fehlten dann auch nur wenige der hiesigen „Musikerpolizei“, um festzustellen, dass Tom Engel noch den „alten Biss“ verkörperte. Trotz seiner zwischenzeitlichen Erfolge als Komponist der „Moonbeats“ und Sänger bei dem, inzwischen zum Duo geschrumpften NDW-Projekt „Geier Sturzflug“. Mit in Klammern gesetzten Hinweisen wie „Ratzinger-Mix“ und „Carsten-Maschmeyer-Mix“ wollen die „neuen Engel“ nun auch unzweideutig auf ihren Anspruch hinweisen, an bisherige Alben anzuknüpfen wie „Skandal“ oder „Magengesicht“.

Tom Engel im Interview: „Mit Songs wie ‚Zeiten des Zorns’ sowie ‚Abkassier´n’ und ‚Stumpf ist Trumpf’ bekennen wir uns eindeutig zur Kontinuität zu Aussagen in Alben wie ‚Skandal’ und ‚Magengesicht’. Die gleiche Schärfe, derselbe Humor.“ Dabei beklagen Tom und Steffi (Bass bei Track sieben und elf) unisono den Verlust des ehemaligen Bandmitglieds und Texters Axel Schulß: „Ja, ich vermisse meinen geliebten Vor- und Quer-Denkerfreund Axel sehr, und das nicht nur als Texter der ‚Engel’“, bekennt sich Steffi Stephan zu dem 2009 unter den Folgen seiner MS-Krankheit verstorbenen Multimedia-Künstler. Und Tom Engel konstatiert ebenfalls: „Dass wir den Titel ‚Sei kein Poet’ auf der neuen CD mit einer neuen Version veröffentlicht haben, ist eine ganz klare Hommage an meinen langjährigen teuren Freund, den wir alle sehr vermissen.“ Am 31. August wird im Jovel ein Konzert stattfinden, zum Gedenken an die verstorbenen Künstler Roger Trash, Roxy Heart und Axel Schulß.

Gebrüder Engel bei Myspace

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