Wenn aus „Ehrenwort“ ein „Ehrenmord“ wird
Birgit Corinna Lange beeindruckt mit einer intensiven Reise in die Gefühlswelten zweier Frauenschicksale

Münster -

Ein Tisch, ein Stuhl, ein Barhocker. Das karge Bühnenbild von Edda Klepps Szenischer Textcollage für eine Schauspielerin „Ehrenwort“, mit der das Kammertheater „Der Kleine Bühnenboden“ an der Schillerstraße am Samstag in die neue Spielzeit startete, weckte im Publikum erste gespannte Erwartung: Wie wird es der Schauspielerin Birgit Corinna Lange gelingen, diese Szenerie mit Leben zu füllen? Nach über 70 Minuten mit an darstellerischer Ausdruckskraft kaum zu steigender Intensität entlud sich diese Spannung bei den Zuschauern in lauten „Bravo“-Rufen.

Sonntag, 09.09.2012, 16:09 Uhr

Wenn aus „Ehrenwort“ ein „Ehrenmord“ wird : Birgit Corinna Lange beeindruckt mit einer intensiven Reise in die Gefühlswelten zweier Frauens...
Im Spannungsfeld zwischen Fiktion und Wirklichkeit zweier Frauenschicksale: Foto: Theater Naseweis

Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt dieser erst zweiten Produktion des jungen „Naseweis“-Ensembles. Die eine, Effi Briest , ist Fontanes Romanfigur aus dem 19. Jahrhundert die andere, Ulerika Zena, war 2003 der Mittelpunkt von Schlagzeilen über eine reale Familientragödie. Durch den dramaturgischen Kniff der Collage wurden Leben und Sterben von Effi und Ulerika zwar geschildert und dargestellt. Die Berührungspunkte zu beiden Geschichten musste letztlich jeder Zuschauer für sich selbst finden. Im langen Ledermantel und mit einem großen Koffer an der Hand, aus dem im Laufe des Stücks diverse Requisiten „gezaubert“ werden, schreitet Birgit Corinna Lange von hinten durch die Stuhlreihen auf die Bühne. Mit Definitionen aus dem Lexikon zum Begriff „Ehre“ beginnt der Monolog. „Sagen wir mal, ich heiße Effi Briest“, relativiert die Schauspielerin ihre Rolle und erzählt in wenigen Sätzen, wie aus einer „unschuldigen“ jungen Frau, das Opfer einer Intrige wurde. Durch Liebesbriefe ihres Verehrers Crampas kompromittiert, verliert Effi die Liebe ihres Ehemanns, das Besuchsrecht für die gemeinsame Tochter und somit auch ihre Ehre. Bei Fontane stirbt Effi an gebrochenem Herzen. Das Haar wird geöffnet, ein buntes Tuch als Requisit, und die Verwandlung zur lebensfroh tanzenden, da erstmals verliebten 16-jährigen Albanerin Ulerika ist perfekt. „Eine wie ich muss schön sein, weil sie sonst nichts ist“, beginnt eine Textpassage über die Unterdrückung von Frauen im Balkan . Da die Familie in Deutschland lebt, erlaubt der Vater Ulerika die übliche Schulausbildung. Ihre angeblich nicht „standesgemäße“ Liebe wird aber bekämpft. Auf einem Hocker kauernd schildert „Ulerika“ ihre Erdrosselung durch den Vater. Sicherlich einer der Höhepunkte eines an Dramatik reichen und überzeugenden Kammerspiels. Nächste Aufführung: 13. September um 20.30 Uhr.

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