Mit Bier zur Krippe
Compagnia Buffo stellt „Oh, du, du ,du Fröhliche“ vor

Münster -

Die Weihnachtsgeschichte musste für so manche Parodie herhalten – von Monty Pythons „Leben des Brian“ bis zu Patrick Barlows Bühnenstück „Der Messias“, das es in Münster zu Kultstatus brachte. Wer Letzteres schon einmal zu oft gesehen hat, war bei der Compagnia Buffo bestens aufgehoben.

Sonntag, 09.12.2012, 16:12 Uhr

Mit Bier zur Krippe : Compagnia Buffo stellt „Oh, du, du ,du Fröhliche“ vor
Seid ihr auch alle da? Willi Lieverscheidt und Kascha B. kasperln sich an Weihnachten heran. Foto: zin

Willi Lieverscheidt, Kascha B. und Musiker Benedikt Hench begnügten sich nicht mit einer einzigen Parodie – sie hatten den Schelmenhut bis zum Rand mit Mummenschanz und Schabernack gefüllt. Blasphemie? Nein. Poesie? Schon eher. Euphorie? Ganz sicher! Wenn die Compagnia die Puppen tanzen lässt, ist Starkstrom-Komik angesagt, und das Publikum im Kleinen Bühnenboden lacht sich ’ nen Ast . Die Texte stammten unter anderem von Kishon, Gernhardt oder Janosch. Seid ihr auch alle da?

Als Ouvertüre ganz klassisches Kasperle-Theater, wo religiöses Halbwissen krachledern in einem Kasten Bier ertränkt wird. Dann drehen die Schelme den biblischen Witz rotzfrech weiter. Da mimen die Darsteller verkitschte Maria-und-Joseph-Puppen wie von Trödelmärkten. Lieverscheidt will wie ein Zeremonienmeister die Weihnachtsgeschichte vorführen – bis das entrückt lächelnde Marienbildnis zum Leben erwacht und verlangt, mit dem Publikum Schwangerschafts-Gymnastik zu vollführen. Eher in Richtung Helge Schneider zielt der absurde Einakter „Thai Curry“, der als Schattenspiel-Stück hinterm Vorhang aufgeführt wird. Den recht unüblichen Heiligabend-Schmaus bereitet ein Lehrer („Deutsch, Latein, Ethik!“) alljährlich zu. Die Satire zielt auf klassischen Feiertags-Familienzoff: Mutti will mit ihrem „Boyfriend“ zwischen den Jahren auf die Skihütte.

Ein folgendes Krippenspiel ist abgrundtief albern, doch dafür entschädigt die tolle Puppenversion von Ander-sens Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Zwischen Lachen und Weinen nimmt das Puppen-Mädchen den „Stairway to Heaven“, wo der alte Satch­mo „Wonderful World“ singt. Die Truppe schiebt noch eine blutrünstige Puppengroteske mit Weihnachtsgans und Beethoven-Klängen nach – und am Ende jauchzen die Zuschauer und lassen die verteilten Wunderkerzen glitzern. Hosianna, Opera Buffa!

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