Wofür steht diese Frau?
Theater Münster inszeniert Henrik Ibsens „Hedda Gabler“

Münster -

Henrik Ibsen stammte selbst aus bestem Hause. Beste Voraussetzungen, ein Experte in der Fassadenkultur bürgerlicher Gesellschaften mit ihren Konventionen und Institutionen zu werden. Er hat rebelliert: „Die große Aufgabe unsrer Zeit ist, das Bestehende in die Luft zu sprengen – zu zerstören.“ Und sich im Kampf der Geschlechter auf die Seite der Frauen geschlagen. Eine seiner interessantesten Figuren ist „Hedda Gabler“. Katharina Rupp inszeniert das Stück am Theater Münster, Premiere ist am 30. Dezember.

Dienstag, 18.12.2012, 18:12 Uhr

„Diese Person hat ein Geheimnis“, meint Rupp zu Hedda Gabler . „Wir versuchen eine Tiefenbohrung.“ Sie habe eine Lust zu manipulieren, die sie selbst nicht verstehe; sie strebe einen Status an, aber andere sollen ihn erzeugen. „Auf die Idee, sich selbst etwas kreativ zu erschaffen, auf die Idee kommt sie nicht.“ Regisseurin Rupp sieht daher in diesem Ibsen-Stück auch einige Werte wie Selbstverwirklichung und Konsum verhandelt.

Aber nicht zuletzt werden die letzten 36 Stunden einer Selbstmörderin erzählt. Es stecke ein Enthüllungskrimi in diesem Stück. Dabei würden die Themen Depression und Sucht angesprochen. Vielleicht ein Grund dafür, dass „Hedda Gabler“ in jüngster Zeit landauf landab an den Theatern inszeniert wird.

Katharina Rupp wird den Klassiker „gnadenlos heutig“ und zugleich „sehr präzise“ inszenieren. „Ich habe den Text so gestrichen, dass das Jahrhunderte-Alte nicht durchklingelt.“ Das bedeutet, dass selbstverständlich keine Briefe mehr ins Kaminfeuer geworfen werden. Werden Mails dramatisch gelöscht, fliegen Tablets ins Klo? Da sollen sich die Besucher überraschen lassen . . .

Aber auch bei Rupp werden am Ende die Lebenspragmatiker Jörgen Tesman und Thea Elvsted zueinanderfinden. Und nachdem sich die Gabler erschossen hat, wird auch die zeitlos klassische Reaktion einer verständnislosen Umwelt zu hören sein: „So was tut man doch nicht.“

Katharina Rupp lernte übrigens in Münster Peter Beat Wyrsch als Opernleiter an den Städtischen Bühnen kennen. Als Theaterdirektor holte der sie dann 2007 ans Theater Biel Solothurn in die Schweiz als Leiterin des Schauspiels.

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