Königlicher Machtkampf im Zeichen der Blutwurst
Faszinierende Interpretation von Alfred Jarrys „König Ubu“ durch das Mecklenburgische Staatstheater

Münster -

Hinter einem starken Mann steht oft eine noch stärkere Frau. Das ist auch im wundersamen Land „Nirgendwo“ der Fall. Offiziersfrau Ubu sorgt sich darum, immer genügend Blutwurst im Haus zu haben. Ihr bizarrer Plan: Ihr holder Gatte, Hauptmann Ubu, muss König, ja gar Kaiser Ubu werden. Sie schubst ihn zum Königsmord. Der Kampf im Zeichen der Blutwurst zieht sich durch das einst so friedlich Land „Nirgendwo“. Bis der Emporkömmling und seine machtsüchtige Ehefrau in einer Schlacht mit dem Zaren Überall ihren Mund zu voll nehmen und in der Schlager-Hölle schmoren.

Sonntag, 13.01.2013, 18:01 Uhr

Schmort im eigenen Saft: König Ubu (facettenreich und sprachgewaltig: Christoph Bornmüller).
Schmort im eigenen Saft: König Ubu (facettenreich und sprachgewaltig: Christoph Bornmüller). Foto: pesa

Begeistert feierte das Publikum im U 2 des Stadttheaters Münster am vergangenen Samstag die kraftvolle Neuinszenierung des Stücks „König Ubu“ von Alfred Jarry als Gastspiel des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin . Die beiden Schauspieler Isa Weiß, dem münsterschen Publikum bestens bekannt aus den „Räubern“ und „Undine“, und Christoph Bornmüller schlüpften dabei in alle Rollen des Stücks.

Zwischen minimalistischen Requisiten zeigten sie in aberwitzigen Kostümen von Cornedia Kolditz, was man so alles aus Pappen, Kisten und langen schwarzen Müllsäcken machen kann.

Zwischen unbändigem Anarcho-Slapstick und dadaistischem Worttheater persiflierten die beiden Schauspieler laut und wild, leise und nachdenklich zugleich die Allmachtsfantasien typischer Potentaten und ihrer Anstifter in der Welt- und Literaturgeschichte. Gesichtsmasken und ein monotoner Sprachstil, nicht selten ins Vulgäre abdriftend, und überbetonte Kreatürlichkeit kennzeichnen die Figuren.

Sie sind völlig entindividualisiert, agieren irgendwo im Rausch zwischen Sein und Schein, Himmel und Hölle. Christoph Bornmüller brilliert als aufstrebender Potentat, der von seiner herrschsüchtigen Ehefrau (dämonisch und wandlungsreich: Isa Weiß) mit einer Fernbedienung gesteuert wird, aber immer wieder zurückfällt in seine eigenen undurchsichtigen Triebe und Gewissensbisse.

Unter der feurigen Regie von Julia Kunert zieht das Stück die Machtgier und Tyrannei seiner Figuren ins Bodenlos-Lächerliche und Groteske. Weiß und Bornmüller jagen wie die Laurel & Hardy-Ausgabe von König Lear und Lady Macbeth über die Bühne und sorgen für wunderbare Zwerchfellattacken. Es sind zwei Schauspieler, die zwischen Tragik und Comedy punktgenau jonglieren können und das perplex-staunende Publikum bestens auf Trab halten. Minutenlanger Applaus für eine grandiose Inszenierung.

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