Meijse, het smakt niet
Künstler Markus Binner präsentierte in der Mensa Buch über deutsch-niederländische Geschmäcker

Münster -

Wenn Liebe durch den Magen geht, dann hat Markus Binner die deutsch-niederländischen Beziehungen einem Beziehungstest unterworfen. Im Rahmen des Kulturprojektes „Grens-Werte“ fragte er in der Euregio herum, welche deutschen Gerichte die Niederländer nicht mögen und umgekehrt. Die gute Nachricht zu erst: „Auf der deutschen Seite bekamen wir erstaunlich oft ,Wir mögen alles´ zu hören,“ berichtet der Berliner Künstler. Auf der niederländischen Seite wurde mit viel Humor auf die Frage reagiert. Und sie bestätigten noch mal die Existenz des Weißwurst-Äquators.

Montag, 21.01.2013, 18:01 Uhr

Gekochten Teig mögen die Niederländer nicht. Daher servierte Künstler Markus Binner bei seiner Kunstpräsentation gestern „Leberknödel“ – natürlich mit anderem Gerät.
Gekochten Teig mögen die Niederländer nicht. Daher servierte Künstler Markus Binner bei seiner Kunstpräsentation gestern „Leberknödel“ – natürlich mit anderem Gerät. Foto: Gerhard H. Kock

Denn im Land der Fritteusen gilt Kochwasser tendenziell als verdächtig – vor allem wenn Teig hineingeworfen wird. Der Künstler aus Berlin hat in seinem Projekt Menschen, die mit Essen und Kochen zu tun haben, nach ungeliebten Gerichten des Nachbarlandes gefragt:

Die Niederländen finden Sauerkraut seltsam, „te anders“, das Eisbein „vies“ und „te vettig“, Knödel, Leberknödel oder Spätzle „smerig“ und „slijmerig“, und Weißwürste hätten eine „vieze structuur“ – das sieht sicher auch mancher Westfale so. Das wurde aber nicht gefragt. Die Deutschen fanden Matjes „zu roh“ und zu „fischig“ und den Klassiker Frikandellen „matschig“, „schleimig“ und „überwürzt“.

Auf die Idee ist Binner durch den französischen Spitzenkoch Pascal Barbot gekommen. Der Michelin-Sterne-Meister versucht, seine verwöhnten Gaumen immer wieder aufs Neue zu kitzeln, und verfiel vor zehn Jahren auf die Idee, den Kontrast zu verstärken. Also servierte er absichtlich Bohnen, die nicht schmeckten. Die Aufregung war riesig.

Da hält sich das Aufsehen an der deutsch-niederländischen Grenze doch in Grenzen. Indes sieht Prof. Dr. Friso Wielenga noch Nachholbedarf hinsichtlich der Zubereitung der ein oder anderen „Spezialität“ aus dem Land von Käse und Genever. So wollte kürzlich ein Gastgeber freundlich sein und hatte sich nach etwas Niederländischem erkundigt. Der Professor vom Zentrum für Niederlandestudien nannte „Frikandellen“. Und als er dort eintraf, gab es auch „Frikandellen“ – allerdings roh. „Die wussten nicht, dass man die frittieren muss.“

Dafür servierte Künstler-Koch Binner gestern im „Uferlos“ ein Drei-Gänge-Menü, unter anderem „Nat­tō-Schoko-Tarte“. Nattō sind vergorene Sojabohnen, die intensiv riechen und schleimige Fäden ziehen . . .

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