Selbstmord als Entertainment
„Suicide Solutions“ – bissige Satire von Heiko Ostendorf im Pumpenhaus

Münster -

Ein Paar erlebt in einem Schlauchboot die letzten Minuten seines Lebens: Mit stockender Stimme regeln die beiden ihren Nachlass: sie sitzend, er halb liegend. Mit ihren zitternd an den Körper gedrückten Armen, sieht sie aus wie ein verwundetes Tier. Es handelt sich um das wohl berühmteste Selbstmordpaar der Geschichte: Henriette Vogel und Heinrich von Kleist.

Donnerstag, 10.01.2013, 18:01 Uhr

Eindrucksvolle und satirische Szenen zum Thema Suizid zeigen Alice Mortsch und Konrad Haller in dem Stück „Suicide Solutions“ von Heiko Ostendorf.
Eindrucksvolle und satirische Szenen zum Thema Suizid zeigen Alice Mortsch und Konrad Haller in dem Stück „Suicide Solutions“ von Heiko Ostendorf. Foto: Theater Odos

Regisseur Heiko Ostendorf vom Theater Odos katapultiert den Dichter und seine krebskranke Freundin ins 21. Jahrhundert und konfrontiert sie mit Internet-Foren, die Selbstmord zum öffentlichen Event machen. Inspirieren lassen hat der münsterische Autor sich von der wahren Geschichte des Abraham Biggs, einem Studenten, der 2008 vor laufender Webcam Selbstmord beging. 220 Menschen schauten zu, gerade mal zwei Personen versuchten zu helfen.

Selbstmord als Entertainment – der Regisseur treibt die Perversion auf die Spitze, indem er seine beiden Schauspieler, Alice Mortsch und Konrad Haller, nicht nur in die Rolle von Vogel und Kleist schlüpfen lässt, sondern sie auch als Moderatoren einer Show inszeniert, die wie Teufel um arme Seelen buhlen: Wem sein Leben nicht lieb ist, weil er arbeitslos ist, krank, depressiv oder Angst vor dem Alter hat, soll es gestressten, gesellschaftlich anerkannten, erfolgreichen Menschen geben.

„Suicide Solutions“ nennt sich die makabre Show. Im Pumpenhaus wurde das gleichnamige Stück uraufgeführt – Satire pur, bissig, gnadenlos überzogen und gespickt mit Songs, die den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. Begleitet von Heiko Ostendorf auf der E-Gitarre, geben die beiden Akteure melancholische Lieder von Heinrich Heine und Fernando Pessoa zum Besten und wirken dabei so fröhlich, als fände sich nichts Besseres, endlich aus dem Leben zu scheiden.

Wie gut, dass es auch Momente gibt, die Authentizität zulassen. Etwa, wenn Konrad Haller in die Rolle eines Vaters schlüpft, dessen Tochter sich umgebracht hat und Wut, Verzweiflung, Schuldgefühle zum Ausdruck bringt. Oder wenn Alice Mortsch eine Vergewaltigung rekapituliert, in der niemand half – eindrucksvolle Szenen, von denen man gern mehr gesehen hätte.

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