Von Wirbeln durchtost
Mirijam Contzen und Tobias Bredohl bei Chapeau classique

Münster -

Ein Spitzenduo, das grandiose Musik spielt, erlebt man im Erbdrostenhof durchaus häufiger – nicht aber eines, das den Komponisten beim Applaus in die Mitte nimmt. So zu sehen jetzt beim Konzert der GWK-Reihe „Chapeau classique“, als Mirijam Contzen und Tobias Bredohl Stefan Heucke nach vorne baten, dessen zweite Violinsonate sie soeben furios aufgeführt hatten. Das Publikum spendete stehende Ovationen.

Dienstag, 22.01.2013, 11:01 Uhr

Mirijam Contzen und Tobias Bredohl nahmen den Komponisten Stefan Heucke in die Mitte.
Mirijam Contzen und Tobias Bredohl nahmen den Komponisten Stefan Heucke in die Mitte. Foto: Arndt Zinkant

In der Pause hörte man den 53-jährigen Komponisten zu einem Besucher sagen: „Gerade bei Streichern ist es wichtig, dass sie ihr Herzblut hineinlegen – und das hat sie getan.“ Stimmt. Mirijam Contzens Bogen gab dem Stück alles: Druckvolles Spiel und leidenschaftliche Emphase, die aber nie Gefahr lief, in romantisches Fahrwasser abzugleiten. Romantik? Unziemlich für einen Zeitgenossen, dennoch wollte Heucke auf jene romantische Melodie, die in seinem Kopf spukte, nicht verzichten. „Beinahe wie ein Weihnachtslied“, lächelte der sympathische Komponist über jenes Thema, aus dem alle andern abgeleitet sind und das sich erst am Schluss offenbart.

Der Kopfsatz ist ganz traditionell in der Sonatenhauptsatzform entwickelt, das Werk eingängig, aber auch von dramatischen Wirbeln durchtost. Eine Wucht, wie Contzen und Bredohl diese entfachten. Dagegen nahm sich die Hindemith-Sonate am Anfang des Abends geradezu beschaulich aus. Kühl, distanziert und elegant entspann sich diese Musik, die hier und da an Prokofjew gemahnte, nur ohne dessen Ironie. Beide Werke präsentiert das Duo ebenfalls auf seiner neuen CD „Sonaten“.

Die folgende erste Brahms-Sonate hat man selten mit solcher Süße gehört. Als wolle die renommierte Geigerin das Klischee vom „spröden Johannes“ Lügen strafen. Man musste gar nicht bis zum Adagio warten, um von Contzens zart jauchzendem Ton überrascht, verführt zu werden. Ihr Klavierpartner Bredohl folgte dieser Lesart, indem er den massigen Klaviersatz sensibel beleuchtete; kein dramatischer Wettstreit, vielmehr ein samtener Klavierteppich für die Geigerin aus Münster .

Kein Zweifel, die beiden in Münster geborenen Musiker harmonieren exzellent. Und ein Stück wie Debussys g-Moll-Sonate ist für sie maßgeschneidert. Hier wird der Spannungspegel erhöht, hier fliegen die Funken, hier kitzeln Triller-Finessen und gepfefferte Harmonien das Ohr. Leider ist der Bösendorfer im Erbdrostenhof etwas zu unbrillant für Bredohls kraftvolles Spiel – aber die hochkonzentrierte Contzen wirkt zum Finale geradezu entfesselt.

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