Zeitlos schöne Ordnung
Baumzeichen von Maria Nordman

Münster -

Raum und Zeit haben im Wienburgpark eine Ordnung: „De Civitate“ heißt das Skulptur-Projekt von Maria Nordman. Und die meisten Freizeit-Suchenden nutzen nur einen Teil davon – zum Versteckenspielen.

Dienstag, 08.01.2013, 18:01 Uhr

Der Mittagssonne zugewandt ist die eine Baumformation, der Mitternacht die andere. Maria Norman treibt mit Mitteln der Natur ihr Spiel mit kosmischen und irdischen Ordnungen.
Der Mittagssonne zugewandt ist die eine Baumformation, der Mitternacht die andere. Maria Norman treibt mit Mitteln der Natur ihr Spiel mit kosmischen und irdischen Ordnungen. Foto: Gerhard H. Kock

Es sind die Lebensbäume , die mittlerweile (1991 für die Projekte 1997 gepflanzt) so dicht gewachsen sind, dass sie Wände bilden, betretbare Kammern und Räume. Mit ein paar Unregelmäßigkeiten hier und da, weil dies Kunstwerk nicht künstlich, sondern natürlich ist. Die 1943 in Görlitz geborene, in Frankreich aufgewachsene und seit vielen Jahren in Santa Monica lebende Kalifornierin hat der Zeit mit zwei alten Laubwerfern und einem Immergrünen eine wachsende Form gegeben: mit den Baumarten Chinesisches Rotholz (Urwelt-Mammutbaum), Lebensbaum (Thuja occidentales) und Ginkgo biloba.

Doch ausgerechnet der Gingko packte es mehrfach nicht: Bodennässe und Wühlmausbefall. Für die Skulptur-Projekte 2007 wurden 100 Bäume nachgepflanzt, mit Einverständnis der Künstlerin der am Standort bewährte Mammutbaum. Nun ist vielleicht noch deutlicher, dass sich die U-Formen in entgegengesetzte Richtungen öffnen. Die eine öffnet sich der mittäglichen Sonne zu, die andere gen Mitternacht, so sieht es die Künstlerin. Denn ihr Werk will irdisches wie kosmisches Geschehen, Sonne und Mond, ewiges Grün, Werden und Vergehen in eine Laborsituation bringen, die vom Menschen erforscht und erlebt werden kann.

Die Jahrmillionen der Baumarten, Sonnenschein und Mondlicht sowie die Jahreszeiten finden in diesem Kunstwerk ihren natürlichen Ausdruck. Und der Ausdruck verweist auf die Ordnung, die Ordnung der Künstlerin, aber eben zugleich auf die Ordnung der Natur. Nordman: „Die Erfahrung der Dauer – über die Tage, die Jahreszeiten, die Jahre, Jahrtausende, Jahrmillionen – wird hier, am plastischen ,Material´ der Bäume, aus ihrer Fixierung befreit: Dauer als Wandel und Wandel der Dauer.“ Oder um eine gedanklich letztlich unlösbare philosophische Debatte der Antike auf den Punkt zu bringen: Alles fließt und ist doch beständig. 

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