Kapitulation vor einem Kürzel
Das frühere Westfälische Landesmuseum heißt künftig „LWL-Museum für Kunst und Kultur“

Münster -

Namen sind Schall und Rauch. Sagt der Volksmund. Was nicht stimmt. Namen bezeichnen Menschen, Dinge, Institutionen. Sie sagen etwas aus über Inhalte und Ziele. Manche Namen wirken veraltet, manche modern, andere neumodisch. Das Marketing schätzt knappe Signale, Buchstaben, poppige Farben. Ob es damit immer richtig liegt? Ist Marketing alles? Sind Traditionen und Inhalte nichts?

Freitag, 08.02.2013, 18:02 Uhr

Zwei Namen an einem Museum. Am Altbau prangt seit alters her der Name „Landesmuseum“, am Neubau wird „LWL-Museum für Kunst und Kultur“ stehen.
Zwei Namen an einem Museum. Am Altbau prangt seit alters her der Name „Landesmuseum“, am Neubau wird „LWL-Museum für Kunst und Kultur“ stehen. Foto: Wilfried Gerharz/LWL

Die Diskussion um das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte , das seit etwa vier Jahren so heißt, in unserer Zeitung aber standhaft „Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte“ genannt wird, ist in die Jahre gekommen. Sie begann zu Zeiten des Landesdirektors Wolfgang Schäfer . Damals hieß es, „Landesmuseum“ verweise zu sehr auf das Land NRW. Der damalige Museumschef Dr. Klaus Bußmann ging gegen solche wahnhaft klingenden Theorien auf die Palme.

Mit dem neuen Landesdirektor, pardon: LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch setzte man – ein Marketingbüro riet dazu – total auf das Kürzel LWL. Da Landschaftsverband Westfalen-Lippe zu sperrig klinge und der Kommunalverband im Volk als Trägerverband von Schulen, Krankenhäusern, Ämtern und Museen zu wenig bekannt sei, wurde eine „LWLisierung“ Westfalens durchgepeitscht. Plötzlich hagelte es LWL-Museen und LWL-Ämter. Das „Land“ und das „Westfälische“ wurden verdrängt oder in Untertitel verschoben. Nur bei den Landesräten blieb man bei der alten Bezeichnung. „LWL-Rat“ hätte auch ziemlich abwegig geklungen. Es blieb ein allgemeines, aber stets hinter vorgehaltener Hand vorgetragenes Unbehagen gegen die LWL-Manie.

Nun wächst ein erweitertes Landesmuseum heran. Es wird 2014 wiedereröffnet. Für Direktor Dr. Hermann Arnhold öffnet sich „jetzt ein Zeitfenster“, in dem man einen neuen Namen programmatisch verankern könne. Also stieß er mit Hilfe des Marketing-Experten Prof. Heribert Meffert eine Diskussion an, die jetzt im Kulturausschuss des LWL ihr Ergebnis fand: Das Haus am Domplatz heißt künftig „LWL-Museum für Kunst und Kultur“. Die Marketingstudie zum Namen des Museums hatte offenbar ergeben, dass die Namensbestandteile „Landes“ und „Geschichte“ des jetzigen LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte von den 200 Befragten mehrheitlich als „zu unbestimmt, veraltet und verstaubt“ angesehen werden. Umfragen sind strapazierfähig. Es fragt sich immer, was man fragt.

Dass es dem Museumsdirektor und den Kulturpolitikern um eine „Schärfung des Profils“ geht, wird kaum jemand kritisieren. Auch der Wunsch, nicht mehr vorwiegend die landesgeschichtliche Sammlung, sondern die Vielfalt an Kunst und Kultur in den Vordergrund zu rücken, was mit der ersten Wechselausstellung über Spitzenvertreter moderner englischer Malerei Ende 2014 auch passieren wird, ist verständlich.

Doch: Klingt die neue Bezeichnung „LWL-Museum für Kunst und Kultur“ gegenüber dem „Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte“ nicht völlig läppisch? Es tröstet nicht, dass das Museum im Untertitel weiter „Westfälisches Landesmuseum“ heißen wird. Westfalen gerät aus dem Blick, auch die Bedeutung des Museums als kulturelles Flaggschiff Westfalens verschwindet im Namensnebel. Und die pe­netrante LWL-Kürzel-Propaganda klingt nach Selbstbespiegelung eines kommunalen Verbandes, dessen Bedeutung für die Region niemand ernsthaft infrage stellt. Im Gegenteil! Man wünscht ihm mehr Macht im politischen Konzert. Aber: Die Marke heißt „Westfalen“, nicht „LWL“.

Als Münsters Intendant Dr. Ulrich Peters die Städtischen Bühnen in Theater Münster umbenannte, hatte er eine schlüssige Aufwertung des Theaters im Blick. Es steht zu befürchten, dass sich das für 48 Millionen Euro spektakulär erweiterte Westfälische Landesmuseum mit seinem neuen Namen weit unter Wert verkauft. Schade.

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