Die Avantgarde gibt ein Gastspiel
Die 37. „Kunst- und Antiquitätentage“ in der Halle Münsterland bieten historische Stücke und neue Kunst

Münster -

Der gewaltige Schrank sieht aus wie neu. Glänzendes Nussbaumholz, schmucke österreichische Wappen; Intarsien aus Perlmutt und Elfenbein stellen feine Damen dar. Aber das edle Stück ist keineswegs neu, wie Kunsthändler Julian Schmitz-Avila erzählt, sondern stammt aus der Zeit um 1730. „Normalerweise werden solche Stücke bei Besitzerwechseln restauriert, und dabei wird immer mehr abgeschliffen. Hier ist das nicht so, und deshalb sind alle Details noch bestens zu erkennen.“ Mit 212 000 Euro ist der Käufer dabei.

Mittwoch, 13.02.2013, 17:02 Uhr

Jörg Immendorffs „Café de Flore“ gehört zu den spektakulärsten Kunstwerken der Schau. Der hölzernen Statue aus Laos hat die Zeit deutlich zugesetzt (kl. Bild).
Jörg Immendorffs „Café de Flore“ gehört zu den spektakulärsten Kunstwerken der Schau. Der hölzernen Statue aus Laos hat die Zeit deutlich zugesetzt (kl. Bild). Foto: Jürgen Peperhowe

Aber die schönen Schätze der Vergangenheit, die bei den Kunst- und Antiquitätentagen in der Halle Münsterland präsentiert werden, müssen gar nicht so teuer sein. Gerade mal 550 Euro kostet ein Messer mit Porzellangriff beim Silber-Spezialisten Peter Rauch – das feine Einzelstück ist ebenso alt wie der gewaltige Schrank und stammt aus dem französischen St. Cloud .

„Unser Museum auf Zeit“, nennt Projektleiterin Andrea Sürder die imposante Schau in der münsterischen Messehalle Süd. Wer bei dem Wort Museum weniger an Möbel, Teppiche oder historische Haushaltsgegenstände denkt, sondern auf pure Kunst hofft, der wird ebenfalls fündig. Schon im Foyer, wo der Westfälische Kunstverein ein Messe-Gastspiel gibt und einige seiner schönen Jahresgaben anbietet. Und erst recht am Zielpunkt des zentralen Messehalle-Gangs, wo bei der Galerie Ostendorff Jörg Immendorffs „Café de Flore“ nur einer von zahlreichen Schätzen moderner und zeitgenössischer Kunst ist. Eine Picasso-Lithografie mit dem Kopf von Françoise Gilot, ein schwarz-goldenes Werk des Licht-Künstlers Heinz Mack, ein Besen von Beuys: Was Rang und Namen hat, ist da.

Aber auch Kunst ohne Rang und Namen dürfte in der Schau, die bis zum Sonntag dauert, ihre Liebhaber finden. Hübsche Tiergemälde an der Schwelle zum 20. Jahrhundert gibt es, dekorative Landschaften, sogar kleine Entdeckungen an Orten, an denen man sie nicht vermutet: Bei den Objekten, die die Stiftung „Mitmachkinder“ versteigert, findet sich etwa ein Kinderzimmer-taugliches Gemälde, das kleine Schülerinnen und Schüler auf dem schwierigen Weg über Schnee und Eis zeigt. Wer es etwas weniger pittoresk mag, kann sich an zahlreichen alten Stichen mit Pflanzenmotiven oder historischen Karten erfreuen. Und der Messeneuling Galerie Galen aus Greven bietet alte Meister an.

Zu den kuriosesten Stücken gehört eine Skulptur „Jonas auf dem Fisch reitend“ von Willi Münch-Khe, für die man gut 10 000 Euro hinblättern muss. Einen Biedermeier-Schreibtisch mit runden Formen von Joseph Danhauser möchte man gleich an ein Museum empfehlen. Und die historischen Buddha-Statuen sind spannende Zeugnisse der Kulturgeschichte.

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