Auf Glückssuche
„Happy Planet“: Tanzperformance fehlte es an Deutlichkeit

Münster -

Der Anfang ist spannend: Kaum hat man das Foyer im Pumpenhaus betreten, fühlt man sich wie an einem Grenzübergang. Ein Kolumbianer in einem mannshohen Verschlag aus Pappe mustert jeden Zuschauer einzeln, verteilt Komplimente, stellt Fragen. Einen Schritt weiter sitzt eine Englisch sprechende Übersetzerin und teilt das Publikum in Gruppen ein. Ausgestattet mit verschiedenfarbigen Beuteln – für den Notfall – folgen nun Verhaltensmaßregeln. Zum Beispiel: im Abstand einer Armbreite zueinander den Zuschauerraum betreten. Oder: Laufen wie auf Stöckelschuhen. Witzige Ideen, die das Publikum auf originelle Art miteinbeziehen. Nur dass man anschließend nicht ganz versteht, wo die Reise hingehen soll.

Donnerstag, 14.02.2013, 18:02 Uhr

Ambitioniert, aber schwer zu entschlüsseln: die deutsch-kolumbianische Produktion „Happy Planet“.
Ambitioniert, aber schwer zu entschlüsseln: die deutsch-kolumbianische Produktion „Happy Planet“. Foto: Carlos Mario Lema

„Happy Planet “ nennt sich diese Tanzperformance , die im Pumpenhaus als deutsche Erstaufführung auf die Bühne kam. Im Zentrum steht Kolumbien , ein bitterarmes Land, das im Wohlstandsindex der Vereinten Nationen auf Platz 87 rangiert, aber im Happy Planet Index, der die Welt nach Zufriedenheitszonen einteilt, regelmäßig einen der ersten drei Ränge belegt. Choreografin Jennifer Ocampo Monsalve, die selbst aus Kolumbien stammt, und Regisseur Philip Gregor Grüneberg gehen diesem Glücksgefühl gemeinsam mit fünf kolumbianischen Performern auf den Grund.

Glücklich und zufrieden wirkt hier allerdings kaum jemand: Auf der improvisierten Bühne, im Zentrum des Zuschauerraums, beschimpfen sich die Figuren, greifen einander körperlich an oder verschenken genervt Blumen ans Publikum, das wahlweise vor ihnen auf dem Boden sitzt oder steht. Eine Tänzerin zeigt, wie vielseitig verwendbar eine Trainingsjacke sein kann, und irgendwann darf man Fragen an einen sogenannten Präsidenten stellen. Antworten bekommt niemand, immerhin das lässt sich als politisch-gesellschaftliche Kritik verstehen.

Aber man sucht doch vergebens nach einem Sinn-Zusammenhang zwischen den Szenen, die zwar ambitioniert wirken, jedoch wenig konkret werden und sich in 100 Minuten erheblich in die Länge ziehen. Als das Publikum schließlich Konfetti wie Munition auf die Bühne werfen soll – symbolisch für Kokain (?) – könnte so etwas wie ein Glücksgefühl entstehen. Aber da ist die Luft längst raus. Schade.

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