Ein „Messias“ voller Saft und Kraft
Ulrich Haspel dirigierte versiert Händels Oratorium in der Erphokirche

Münster -

Die Liebe auf den ersten Ton – sie gibt es in der Musik gar nicht so selten. Georg Friedrich Händel wusste das. Weshalb sonst hätte er diese Tenor-Arie geschrieben? Zunächst die einleitende Sinfonia, dann eine Arioso-Prophetie, die die Streicher auf Wolken betten: „Comfort ye, my people“ („Tröste dich, mein Volk“). Es folgen Tenor-Koloraturen von strahlender Zuversicht. Schöner kann ein Oratorium nicht beginnen, und der Händel-Verehrer ist von der Musik überwältigt, egal wie oft er sie schon gehört hat.

Montag, 04.02.2013, 18:02 Uhr

Einen wuchtigen „Messias“ präsentierten Chöre, Solisten und Orchester in der Erphokirche.
Einen wuchtigen „Messias“ präsentierten Chöre, Solisten und Orchester in der Erphokirche. Foto: zin

Kein Wunder, dass eine einsame Hand der Begeisterung nachgibt und sofort Zwischenapplaus für Theodore Browne spenden will. Sein Tenor ist für Barock-Arien ideal. Er phrasiert mit Klarheit und Natürlichkeit – ein Sänger, der nur die Musik sprechen lässt. Aber nicht nur Browne versetzt die voll besetzte Erphokirche am Ende in frenetischen Jubel. Studentischer Madrigalchor und Universitätschor vereinen sich zur einer Stimmgewalt, die kaum in die Kirche passt, und sorgen für einen Saft-und-Kraft-„ Messias “, der schon ob seiner klanglichen Wucht begeistert.

Unter Ulrich Haspels versiertem Dirigat herrscht nicht nur optisch Cinemascope, da wird auch musikalisch der Vorhang weit aufgerissen. Schon die Verkündigung des Erlösers wird in üppigen Farben gemalt. Die triumphale Schlichtheit der Chöre („For unto us a Child is born“) kontrastiert mit spritzigen Figurationen der Streicher. Das Kourion-Orchester agiert einmal mehr sehr lebendig und ist dem authentischen Barock-Idiom auf der Spur. Und der Bass von Thilo Dahlmann steigt mit aller Schwärze in die Finsternis hinab, wenn er singt „The people that walked in darkness have seen a great light“. Was für ein Pathos!

Annette Kleine präsentiert sich verlässlich, will aber leider nicht den letzten Tropfen Schmerz aus der Zwölf-Minuten-Arie „A man of sorrows“ pressen. Heike Hallaschka gefällt erneut mit ihrer Lebendigkeit und fröhlich-leichten Koloraturen-Wirbeln („O daughter of Zion“), wenngleich es in der Höhe ziemlich spitz wird.

Im „Hallelujah“ (auch als Zugabe wiederholt) erscheint er nur wie Goldstaub, aber in der Bass-Arie „The trumpet shall sound“ erstrahlt der leider ungenannte Solotrompeter sonnenhell. Die schwebende Christusfigur über dem Chor wird einmal versehentlich angestoßen – und sieht plötzlich aus, als würde sie tanzen. Exakt dann, wenn es heißt: „He is the King of Glory“.

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