Glücksgefühle im „leidenden Land“
Jennifer Ocampo und Philip Grüneberg haben in Kolumbien die Performance „Happy Planet“ erarbeitet

Münster -

Kolumbien ist eine Republik im nördlichen Teil von Südamerika. Bogotá ist die Hauptstadt. Rund neun Millionen Menschen leben dort. Und was für Kolumbien gilt, gilt umso mehr für Bogotá: Über ein Viertel der Menschen dort lebt in großer Armut. Drogenkriminalität, Gewalt und politische Unruhen tun das Ihrige, das Leben in Kolumbien zu erschweren.

Montag, 11.02.2013, 18:02 Uhr

Trotzen den kühlen Temperaturen in Münster: Carlos Enrique Lozano, Jennifer Ocampo und Philip Grüneberg (v. l.).
Trotzen den kühlen Temperaturen in Münster: Carlos Enrique Lozano, Jennifer Ocampo und Philip Grüneberg (v. l.). Foto: pn

Und dann das: 2012 weist der Happy-Planet-Index, der die Welt in Zufriedenheitszonen kartografiert, Kolumbien auf Rang drei aus. Wie kann das sein? Wo Kolumbien doch „ein leidendes Land“ ist, wie Jennifer Ocam­po sagt. Die Tänzerin und Choreografin hat ihre Heimat vor zwölf Jahren verlassen. Aber dennoch plagt sie Heimweh – trotz ambivalenter Gefühle. „Das Land ist reich an Ressourcen“, sagt Ocampo, die Kreativität und Warmherzigkeit der Menschen als großes Gut ansieht. „Aber längst nicht alle sind glücklich“, glaubt sie zu wissen. Also haben sich Ocampo und Philip Grüneberg , ihr Produktionsduo-Partner, vor zwei Jahren entschieden, das Thema zu vertiefen.

Jennifer Ocampo

Jennifer Ocampo, in Kolumbien geboren, hat 2004 ihren Tanzabschluss an der Folkwang-Hochschule in Essen gemacht. Bis 2009 war sie Mitglied des Tanztheaters von Daniel Goldin in Münster, bis 2012 Lehrerin für Modern Dance im Kreativhaus. Auch bei Cactus Junges Theater ist sie als freischaffende Künstlerin aktiv.

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„Happy Planet “ heißt ihre Performance, die am Mittwoch (13. Februar) im Pumpenhaus Deutschland-Premiere hat. Seine Uraufführung hatte das Stück, unter anderem vom dortigen ­Goethe-Institut gefördert, im Herbst 2012 beim Festival Danza en la Ciudad in Bogotá . Und glaubt man Carlos Enrique Lozana, dem kolumbianischen Dramaturgen, dann war es „eine echte Überraschung“, wie begeistert das Publikum den Kulturen-Clash-Test der Münsteraner aufgenommen hat.

Zwei Jahre lang haben sie an der Vorbereitung gearbeitet. 2011 reisten Ocampo und Grüneberg für zwei Monate nach Kolumbien, um Eindrücke zu sammeln und ihr Team aus fünf Performern, einem Musiker, einem Bühnenbildner und Lozano, dem Wahl-Argentinier, zusammenzustellen. „Wie in einer anderen Welt“ habe er sich damals gefühlt, schildert Grüneberg. Die Kulturen vieler Volksgruppen, die dort aufeinanderprallen, dazu die sozialen Gegensätze – „da passieren viele Dinge gleichzeitig, die einen überfordern können“, sagt er. Zugleich faszinierte ihn „der Gemeinschaftssinn der Leute, mit dem die Armut aufgefangen wird“.

Philip Grüneberg

Philip Grüneberg, 1974 geboren, arbeitet seit 2001 als Schauspieler. Er war Ensemblemitglied am münsterischen Stadttheater. Seit mehreren Jahren arbeitet er mit Jennifer Ocampo als freies Produktionsduo am Theater im Pumpenhaus in Produktionen wie "Jack and Jill" oder zuletzt "Hidden Tracks" zusammen.

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Wieder zurück in Deutschland ging das Projekt seinen bürokratischen Gang. Sponsoren wurden gesucht. Und als das Kulturamt der Stadt Münster 25 000 Euro Zuschuss bewilligte, ging es im September 2012 wieder nach Bogotá, wo die Uraufführung eine achtwöchige Probenzeit beendete. Seit eineinhalb Wochen ist das Team aus Kolumbien nun in Münster, um für die Wiederaufnahme zu proben.

Erwarten dürfen die Münsteraner „ein Experiment“, sagt Lozano. Es geht laut Konzept darum, „die Möglichkeiten von Glückseligkeit in einem System von Regeln und Strukturen zu erkunden“. Ist der „Happy Planet“, dem sogar eine Fantasiesprache zugeordnet wird, also so etwas wie ein Musterplanet? Philip Grüneberg winkt ab: „Wir würden uns nicht anmaßen aufzuzeigen, wie ein solcher Planet funktionieren müsste“, sagt er. In punkto Glückseligkeit aber von einem Land mit gravierenden Problemen wie Kolumbien zu lernen – das kann auch im noch weitgehend krisenfreien Deutschland nicht schaden.

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