Degradierter Stammesfürst
Trio zieht Klischees um „Dschingis Khan“ durch den Kakao

Münster -

Wie austauschbar anscheinend manche Kulturgeschichten sind, zeigte das Berliner Performancekollektiv „Monster Truck/Theater Thikwa“ jetzt im Theater im Pumpenhaus. Flugs wird die Bühnenszenerie des wilden Westens mittels weniger Requisiten umgebaut zu einer asiatischen Steppenlandschaft. Auf dem Programm steht schließlich „Dschingis Khan“.

Sonntag, 10.03.2013, 17:03 Uhr

Die drei Hauptfiguren erwachen – versteckt unter der Holzbühne – zum Leben. Die Maschinerie des Theaters läuft an. Eine junge Dame im modischen Designerdress gibt Regieanweisungen, adrett gekleidete Bühnenarbeiter helfen den drei Akteuren in die Kostüme, steuern Geräusche, Musik und Lichteffekte bei.

Drei Menschen mit Down-Syndrom, eine Frau (cooles Flintenweib: Sabrina Braemer ) und zwei Männer (chaplinesk und voller Emotionen: Jonny Chambilla/Manuel Gerst) spielen in zotteligen Mongolenpelzen mit wallendem Kunsthaar zen­trale Szenen aus dem Leben Dschingis Khan nach. Genüsslich ziehen sie Klischees über den mongolischen Stammesfürsten durch den Kakao . Die einzelnen Episoden werden von Übertiteln kommentiert, etwa wenn Melonen auf den Boden knallen und ihre Überreste von den mongolischen Kriegern gegessen werden („Das traurige Schicksal ihrer Feinde“). Dschingis Khan wird degradiert zu einer billigen Kirmesattraktion.

Immer wieder greift die Regisseurin ein, wie eine Oberlehrerin, die alles besser weiß. Die Schauspieler werden degradiert zu Marionetten. Begleitet von lauter Rockmusik befreien sich die drei aus den Zwängen der scheinbar „normalen“ Menschen, lösen die Künstlichkeit der Szenerie auf, schießen mit einem Katapult Plastikköpfe ins Publikum – die Köpfe ihrer Fremdsteuerung? Sie küssen und umarmen gar einzelne Zuschauer.

Die große Spielfreude des fast wortlosen Trios begeistert dabei eben so wie der anarchische Witz der gesamten Inszenierung. Jede Erwartungshaltung wird unterwandert und mit Humor beschossen, der an die frühen „Monty Phythons“ erinnert.

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