Großartig getanzt – zeitgemäß umgesetzt
Koreanische Compagnien begeistern zum Auftakt des Festivals im Pumpenhaus

Münster -

Ein Tänzer bewegt sich mit kantigen Bewegungen auf der Stelle, wie ein Roboter. Mal scheint er nach der passenden Position zu suchen, mal deutet er Schießübungen an, dann fällt er plötzlich um; aus dem Off tönt Tschaikowskys „Schwanensee“.

Freitag, 01.03.2013, 14:03 Uhr

„Swan Lake“ ist der Titel der ersten Choreographie, die im Rahmen des Festivals „Kore-A-Moves 2013“ im Pumpenhaus zu sehen war. Noch bis zum 9. März touren südkoreanische Compagnien durch Dänemark , Schweden und Deutschland , geben Einblick in aktuelle Tendenzen des zeitgenössischen Tanzes ihres Landes.

Sooyoung Ahn, der seine Kompagnie, „Ahn Soo-Young Dance Project“, gemeinsam mit Hyoung-Nam Kim leitet, assoziiert Kindheitserinnerungen mit dem Thema des Schwans, als einer Kreatur, die, frei von Mythen und Idealen, in den Cyber-Realitäten und Mega-Citys von heute lebt und letztlich stirbt. Gemeinsam mit vier virtuosen Breakdancern gelingt ihm ein originelles, witziges Tanzstück, mit ironischen Verweisen auf die klassische Ballettvorlage und herzhaft lebensnahen Momenten. Etwa, wenn ein Tänzer (Schwan) plötzlich aus der Gruppe breakender Figuren heraustritt und die einzige Frau des Ensembles mit handfesten Liebesbekundungen verfolgt. Oder, wenn zwei Mal zwei „kleine Schwäne“ aufeinander zutanzen und der eine der anderen den Partner ausspannt. Herrlich ist auch die Szene, in der ein Tänzer mit großen Gesten Dirigent spielt, wie ein Kind – völlig mitgerissen von dieser wunderbar pompösen Musik.

Ganz anders der zweite Teil des Abends, „Rose (The Rite of Spring)“. Die Sungsoo Ahn Pick-Up Group hat sich ebenfalls einen Klassiker der Ballettgeschichte vorgenommen, Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“, nähert sich dem Thema des Frühlingsopfers jedoch mit tiefem Ernst. Fünf großartige Tänzer begeistern in Sungsoo Ahns musikalisch durchdachter Choreographie durch fließende, synchrone Bewegungen, akrobatische Momente und ein rasantes Tempo. Archaische Posen bringen Gewalt und Not des Opfers nahe, das hier männlich besetzt ist. Drei Frauen tanzen zwei Männer zu Tode, lassen sie auf dem Kopf stehen, wie lebendige Säulen, über den Boden rotieren oder Saltos schlagen, bis sie mit pulsierenden Oberkörpern im Takt zur Trommel, lautlos schreiend, auf der Bühne stehen – fantastisch.

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