Patienten sind irgendwie Kinder
Premiere: „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“ von Tuğsal Moğul im Pumpenhaus

Münster -

Hippokratischer Eid? Was die drei Mediziner zu Beginn im Dämmerlicht flüstern, wirkt eher, als wollten sie einer geheimen Loge beitreten. Einer, die sich zwar dem Wohl der Menschen verpflichtet fühlt, aber doch im Kern elitär ist. Halb Priester, halb Freimaurer, treten diese Halbgötter in Weiß (Pardon: in Blau) nun ihren Dienst an. Und das Publikum im voll besetzten Pumpenhaus folgt dem gehetzten Treiben – so lange, bis jedes Mosaiksteinchen der Fassade abgebröckelt ist.

Freitag, 15.03.2013, 16:03 Uhr

Patientenbetreuung: Tuğsal Moğuls neustes Ärztestück „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“, thematisiert Selbstwahrnehmung und Selbstüberschätzung der weißen Zunft im blauen Kittel.
Patientenbetreuung: Tuğsal Moğuls neustes Ärztestück „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“, thematisiert Selbstwahrnehmung und Selbstüberschätzung der weißen Zunft im blauen Kittel. Foto: Roman Thomas

„Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“ hat Tuğsal Moğul sein neues, schon hoch gelobtes Stück genannt. Der Arzt und Theatermacher hat der eigenen Zunft bereits öfter den Puls gefühlt. „Diagnose: ausgebrannt“, sagt sich der Laie, wenn er Lena Kußmann, Helga Lauenstein und Jonas Vietzke zusieht, die unter ihrem realen Namen (plus Doktortitel) durch die Krankenzimmer wuseln. Moğul streut auch einige Witze, ohne sein Personal zu „Scrubs“ zu machen. Die Lyse-Therapie in Zimmer 10? „Gut ausgerinnselt.“ „Frau Ihlenbeck? Morgen! Vietzke! Grüße Sie!“ Der Jung-Mediziner „Dr.“ Vietzke saust wie ein echter Alphawolf an den Betten vorbei, die Kolleginnen im Schlepptau.

Dann erstattet jeder für sich dem Publikum Bericht, wie man aus jugendlichen Sehnsüchten den Weg in den Arztberuf gefunden hat: Vietzke ist Anästhesist (wie übrigens auch Autor und Regisseur Moğul). „Ich nehme den Patienten die Schmerzen und gebe ihnen Träume“, schwärmt er. 1200 Narkosen bis jetzt!

Lena Kußmann arbeitet auf der Kinder-Onkologie – dort, wo die Kleinsten Krebs haben. Dort, wo kaum ein Kollege seelisch durchhält. (Doch die Kompanie kuller­äugiger Plastikpuppen auf der Bühne zeigt: Alle Patienten sind irgendwie Kinder!). Kußmann ist ein Bündel aus Fleiß und Ehrgeiz. „Wenn du nicht Medizin studierst, machst du nichts aus deinem Leben“, hatte ihr Vater einst gemahnt.

Das Pathos nimmt zu. Die Psychiaterin Helga Lauenstein schwärmt erst von ihrem Erfolg, bricht plötzlich in Tränen aus und stellt aggressive Diagnosen bei den zwei anderen. Am Ende macht das Stück noch eine Biegung, die nicht verraten werden darf. Es ist der dickste Fleck am weißen Kittel . . .

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