Tocotronic
Wir sind hier nicht im Dschovel, Dirk

Münster -

Alte Bands rocken ja besonders gerne. Am Donnerstagabend wüteten sich Tocotronic durch alte und neue Songs aus 20 Jahren ihres Schaffens. Die Songauswahl überraschte, die Spielfreude überzeugte - das Quartett lockte aber wenig Fans ins Jovel.

Freitag, 15.03.2013, 16:03 Uhr

Tocotronic im Jovel: Keyboarder und Gitarrist Rick McPhail (l.) und Sänger Dirk von Lowtzow präsentieren Songs ihres aktuellen Albums „Wie wir leben wollen“.
Tocotronic im Jovel: Keyboarder und Gitarrist Rick McPhail (l.) und Sänger Dirk von Lowtzow präsentieren Songs ihres aktuellen Albums „Wie wir leben wollen“. Foto: Gunnar A. Pier

Wie ein Flamingo steht Dirk von Lowtzow auf der Bühne. Ein Bein leicht angewinkelt. Der Sänger von Tocotronic hat seinen dunklen Pullover abgestreift. Er steht selbstversunken mit einem langärmeligen rot-weiß-gestreiften Shirt in der Mitte der Bühne. Es ist einer der wenigen ruhigen Momente des Abends. Denn Tocotronic haben sich auf ihrer aktuellen Tour auf ihre Wurzeln besonnen: „Let there be rock“.

Tocotronic 2013 in Münster

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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Tocotronic im münsterischen Jovel. Von links: Keyboarder/Gitarrist Rick McPhail, Sänger/Gitarrist Dirk von Lowtzow, Trommler Arne Zank und Bassist Jan Müller.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

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  • Tocotronic im münsterischen Jovel. Von links: Keyboarder/Gitarrist Rick McPhail, Sänger/Gitarrist Dirk von Lowtzow, Trommler Arne Zank und Bassist Jan Müller.

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  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

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  • Tocotronic im münsterischen Jovel. Von links: Keyboarder/Gitarrist Rick McPhail, Sänger/Gitarrist Dirk von Lowtzow, Trommler Arne Zank und Bassist Jan Müller.

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  • Tocotronic im münsterischen Jovel. Von links: Keyboarder/Gitarrist Rick McPhail, Sänger/Gitarrist Dirk von Lowtzow, Trommler Arne Zank und Bassist Jan Müller.

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  • Tocotronic im münsterischen Jovel. Von links: Keyboarder/Gitarrist Rick McPhail, Sänger/Gitarrist Dirk von Lowtzow, Trommler Arne Zank und Bassist Jan Müller.

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  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

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  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

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  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

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  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

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  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

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  • Tocotronic im münsterischen Jovel. Von links: Keyboarder/Gitarrist Rick McPhail, Sänger/Gitarrist Dirk von Lowtzow, Trommler Arne Zank und Bassist Jan Müller.

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  • Die Band It's a Musical (Ella Brixt / Robert Kretzschmar) im Vorprogramm von Tocotronic im münsterischen Jovel.

    Foto: Gunnar A. Pier

Von Beginn an wüten die Gitarren. Mit „Im Keller“, dem Opener ihres aktuellen Albums „Wie wir leben wollen“, eröffnen sie das Konzert am Donnerstagabend. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf den neuen Songs. Bemerkenswert ist aber, welche Hits Tocotronic nicht spielen. Doch das zeichnet eine Band aus, die seit 20 Jahren im Geschäft ist: Das aktuelle Material steht dem alten in nichts nach. Ihre allererste Single „Meine Freundin und ihr Freund“ spielen sie mit genau dem gleichen zarten Lärm wie die herrlich hingeschrammelten „Vulgären Verse“. Bei „This Boy is Tocotronic“ mischt sich kurz „This Corrosion“ – ein achtziger Jahre-Hit der Band Sisters of Mercy – dazwischen. Und beim Song „Exil“ darf die Vorband It‘s A Musical noch einmal mit auf die Bühne. Es dauert dennoch, bis der Funke beim Publikum überspringen will.

Nur am Anfang tritt von Lowtzow mit seiner Begrüßung in einen kleinen Fettnapf: "Hallo Münster , hallo Dschovel" betont er das Masematte-Begriff irgendwie schofel. Ansonsten gibt der Sänger den erfahrenen Meister der Selbstbeherrschung. Er verbeugt sich theatralisch mit einer Hand nach unten baumelnd, die andere nach oben gestreckt. Deutlich wird, wer im Jovel der Klassensprecher ist. Seine Ansagen sind genauso ironisch durchzogen wie seine Songtexte. Er kündigt den neuen Song „Abschaffen“ als Protestsong und gleichzeitige Utopie an und zitiert den Künstler Martin Kippenberger : „Neid und Gier, das ist mein Bier“. Gerne hätte man ihm mit Wilhelm Busch geantwortet:"Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung." Doch dafür bleibt keine Zeit. Schon poltert der anschließenden Song „Die Revolte ist in mir“ los und die rund 800 Gäste im Jovel demonstrieren endlich ihre Verbrüderung mit dem Vierer durch ausgiebiges Pogen vor der Bühne. 

Das Bühnenbild ist schlicht. Eine große Leinwand untermalt die Lieder mit unterschiedlich eingeblendeten Szenarien. Bei „Alles wird in Flammen stehen“ fährt der Schriftzug „Lucifer Rising“ über warm-grauen Rauch. Viel mehr passiert nicht. Rick McPhail wechselt gelegentlich von der Gitarre zum Keyboard. Auf den Boxen stehen Plüschtiere. Nach vier Zugaben und nicht ganz zwei Stunden Spielzeit haben Tocotronic dann genug erzählt.

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