Lily kann so leicht nichts schocken
Amateurbühne Münster-Ost brilliert

Münster -

Lily hat das Herz auf dem rechten Fleck und das Plappermaul auf Autopilot. Die resolute Putzfrau kann so leicht nichts schocken. Aber wenn in jedem zweiten Chefbüro eine Leiche herumliegt, flattert sogar Läster-Lily das Nervenkostüm. Zumal, wenn die Leichen sich unsichtbar gemacht haben, als der genervte Herr Inspektor verschnupft erscheint – und eben jener Inspektor auch noch ein erfolgloser Verehrer aus Jugendzeiten ist!

Sonntag, 07.04.2013, 16:04 Uhr

Lily (Gaby Eickelpasch) stört bei den Ermittlungen. Der Inspektor (André Ferreira González, r.) versucht verzweifelt, Mr. Westerby (Daniel Pecnik) zu verhören.
Lily (Gaby Eickelpasch) stört bei den Ermittlungen. Der Inspektor (André Ferreira González, r.) versucht verzweifelt, Mr. Westerby (Daniel Pecnik) zu verhören. Foto: Zinkant

„Keine Leiche ohne Lily“ – Jack Popplewells Krimikomödie vereinigt schwungvoll Elemente der britischen Genre-Tradition, ohne das Rad neu zu erfinden. Und das achtköpfige Ensemble der Amateurbühne Münster-Ost machte sich am Samstag bei der Premiere mit Wonne ans Werk (Regie: Beate Ruhkamp). Spaß war hier wichtiger als schwarzhumoriger Grusel oder kriminalistische Feinarbeit. Irgendwo zwischen Miss Marple und Ohnsorg-Theater bewegte sich der Schwank, der an einem einzigen Ort spielte: Dem Büro des unbeliebten Chefs Richard Marshall (dem Gerhard Hillebrand ruhig mehr Arroganz hätte geben dürfen). Diesen findet Lily tot im Sessel, nachdem sie zuvor schon im oberen Stock über einen Erkalteten gestolpert war (nur Marshall taucht lebend wieder auf!). Als sie den Gesetzeshütern keine Leichen präsentieren kann, steht die Raumpflegerin dumm da. Da Lily mehr Chuzpe als Genie hat, stiftet sie als Detektivin genauso viel Verwirrung wie Aufklärung. Kommissar Zufall spielt kräftig mit.

Zum Glück hat das Ganze zwei gute Hauptdarsteller: Es macht Laune, wie Gaby Eickelpasch als Lily „ihren“ Inspektor immer burschikos duzt, der alten Zeiten wegen. Noch mehr Laune macht’s, wenn „Inspektor“ André Ferreira González dann hilflos um Autorität ringt, während er im Mordfall eh nur Bahnhof versteht. Die üblichen Verdächtigen sind auch alle da: Marshalls untreue Ehefrau (Christiane Schrand), die verhärmte Chefsekretärin (Beate Isken-Göttfert) und der blasse Büroangestellte Mr. Westerby (Daniel Pecnik). Die junge Tippse Vicky (schön klischeehaft: Miriam Engelmann) wirft ein Auge auf den Kriminalassistenten (Tim Schmidt).

Als am Ende alle Leichen am rechten Platz sind und der Inspektor halb ohnmächtig aus dem Schrank plumpst, gibt es im Pfarrer-Eltrop-Heim begeisterten Applaus.

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