Seit hundert Tagen eine bessere Welt
Performance-Marathon von Stephan Us

Münster -

Weltverbesserer sind für aufgeklärte Zeitgenossen mit Vorsicht zu genießen. Es sei denn, es ist ein Künstler. Stephan Us ist Künstler und im Jahr 2013 als Weltverbesserer unterwegs. Und zwar jeden Tag vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Heute sind die ersten hundert Tage seiner „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums“ vorbei. Zeit für eine erste Bilanz.

Dienstag, 09.04.2013, 19:04 Uhr

Als erste Maßnahme hatte er zu Neujahr Seifenblasen am Rathaus gepustet. Danach ließ er sich jeden Tag vom Tag und seinen Begebenheiten inspirieren. Dabei gerieten die „Maßnahmen“ manchmal sogar fast politisch (an der Spree vorm Reichstag in Berlin hat er das Schild angebracht: „Um sich im Wasser zu spiegeln, muss man sich beugen“), manchmal eher poetisch (an einem kalten Tag hat er Sonnen in verschneite Autofenster gezeichnet), manchmal scharfsinnig („Don´t look back“ hat er auf einen Rückspiegel geklebt). Manchmal stellte er auch einfach Orangen, Tulpen oder Kleingeld in den öffentlichen Raum zur Selbstbedienung.

Die witzigste Reaktion lieferten ihm zwei Hunde. Am 3. März in der Villa de Bank steckte er seinen Kopf in einer Ausstellung in Enschede durch den Boden. Die Besucher waren irritiert: aus Wachs oder lebendig? Auch zwei Hunde schnüffelten sich heran, kamen näher und ergriffen mit eingezogenem Schwanz die Flucht.

Warum Stephan Us die Welt harmonisieren will: „Das einzige lebende Wesen, was das Universum schädigen kann, ist der Mensch. Alles andere Leben hat auch das Potenzial dazu, aber hält sich durch die Prinzipien der Natur relativ gut in der Waage.“ Daher seine Devise: „Tue Gutes in den großen und kleinen Universen der Bilderwelten!“ Und es scheint zu wirken. Der münsterische Künstler bekommt viele Zuschriften, und einige wollen mitharmonisieren helfen.

Stephan Us dokumentiert seine Aktionen täglich via Facebook und in seinen Rundbriefen. Zum Abschluss wird es alle Maßnahmen auch in Buchform als „Maßnahmen-Katalog“ geben – sozusagen zur Nachahmung empfohlen.

Tagebücher sind seit fünf Jahren Thema des Künstlers: 2008 filmte er täglich für zehn Sekunden den Himmel (vom finnischen Nordlicht bis zum Sonnenuntergang am Aasee). 2009 nahm er jeweils zehn Sekunden ein Geräusch seiner Umgebung auf (vom rhythmischen Regen bis zum Brummen des Kühlschranks). 2010 schrieb er jeden Tag einen poetischen Satz (gehört, gedacht oder erlebt). 2011 fotografierte er Tag für Tag seinen Standpunkt (Fotos seiner Füße auf den Untergründen). Voriges Jahr schrieb er jeden Tag auf, was wirklich neu war für ihn an jenem Tage. Us: „Diese Tagebücher sind wie Übungen für mich, meine Sinne zu schärfen.“

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