Unsichere Finanzierung
Düstere Zukunft für das traditionelle Filmfestival Münster

Münster -

Seit 30 Jahren gibt es das Filmfestival in Münster, getragen von der Filmwerkstatt. Doch jetzt besteht das Risiko, dass Münster die Traditionsveranstaltung verlieren könnte.

Mittwoch, 29.05.2013, 17:05 Uhr

Saure-Gurken-Zeit für das Filmfestival: Carsten Happe (Filmclub Münster), Nicky Schulte, Rita Roring (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) und Lara Schilke, Praktikantin der Filmwerkstatt (v. l.), beißen dennoch zu.
Saure-Gurken-Zeit für das Filmfestival: Carsten Happe (Filmclub Münster), Nicky Schulte, Rita Roring (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) und Lara Schilke, Praktikantin der Filmwerkstatt (v. l.), beißen dennoch zu. Foto: pn

Wenn beim Gespräch mit den Verantwortlichen des Filmfestivals ein Glas mit sauren Gurken auf dem Tisch steht, lässt das nichts Gutes ahnen. Und so kommt Nicky Schulte , die Leiterin des Filmfestivals, das im Herbst zum 15. Mal stattfinden soll, auch gleich auf den Punkt. „2013“, so Schulte, „machen wir’s noch mal – trotz widriger Bedingungen.“ Doch was die Fortsetzung des vor 30 Jahren in Münster etablierten Festivals angeht, besteht laut Schulte „das Risiko, dass Münster bald kein Filmfestival mehr haben wird“.

Unsichere Finanzierung

Natürlich hat diese Ansage mit der unsicheren Finanzierung zu tun. 200.000 Euro bräuchte die Filmwerkstatt als Trägerverein, um das Filmfest im bisherigen Umfang zu realisieren. Doch bislang sind 25 Prozent vom Gesamtbudget nicht gedeckt. „Finanziell stehen wir mehr als schlecht da“, sagt Schulte. Und dies wenige Monate, bevor das Filmfestival stattfindet und die inhaltliche Arbeit längst begonnen haben sollte.

Was die Organisatoren, die ernstlich ans Aufgeben gedacht haben, betrübt, ist insbesondere der Wandel beim Kultursponsoring. das merklich zurückgehe und bestimmte kulturelle Bereiche wie etwa den Film nicht mehr im Fokus habe. Schulte spricht von „zwei bis drei Sponsoren, die uns seit Jahren unter die Arme greifen“. Doch reicht diese Unterstützung alleine nicht, das bestehende Defizit auszugleichen.

Keine Konzeptänderungen

Mehr als 40 000 Euro fehlen, die nun die Filmwerkstatt vorstreckt – auf eigenes Risiko. Das Land NRW und die Stadt Münster haben zwar zugesagt, das Festival bei der Grundfinanzierung, die nicht mal die Hälfte des Budgets ausmacht, mit denselben Summen wie in den Vorjahren zu unterstützen (Schulte: „Wir sind auf dem Stand von vor zehn Jahren“). Die Film- und Medienstiftung NRW aber ist bislang ihre Zusage schuldig geblieben – obwohl Schulte mit der Aquise im Herbst 2012 begonnen hat. Dieses Warten, klagt Schulte über nicht transparente Entscheidungswege, „raubt uns jede Planungssicherheit“.

Das Festival zu verschlanken, ist für Schulte keine Lösung: „Wir haben nicht weniger organisatorischen Aufwand, wenn wir weniger Filme in den Wettbewerben haben“, sagt sie. Und wenn es statt drei nur zwei Wettbewerbe gäbe? Funktioniert laut Schulte nicht, denn „manche Zuschüsse sind zweckgebunden an bestimmte Programmbausteine“. Neue Löcher würden entstehen. Schulte möchte aber auch nicht am über die Jahre entwickelten Konzept rütteln, denn: „Wofür machen wir es dann noch?“.

Zukünftige Perspektiven

Wie also sieht die Perspektive für das Filmfestival aus? „Wenn der Stadt Münster, die sich seit ,Wilsberg’ und ,Tatort’ als Filmstadt rühmt, an dem Festival gelegen ist, dann brauchen wir von der Politik ein klares Signal weiterzumachen“, sagt Schulte. Gespräche dazu hat sie mit den kulturpolitischen Sprechern der münsterischen Parteien schon im Frühsommer 2012 geführt. Und es braucht vor allem Sponsoren. „Auch ein Filmfestival“, so Schulte, „ist für eine Stadt eine Chance, sich zu profilieren.“

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