1600 Stunden Film gucken
Einsendschluss fürs „Filmfestival Münster“: Sichtung der über 500 Produktionen hat begonnen

Münster -

Den Postboten ärgert´s. Die Filmwerkstatt freut´s. In den letzten Tagen vorm Einsendschluss fürs Filmfestival rauscht die zweite große Welle an Produktionen in die Gartenstraße 123. „Uns erreichen täglich so 50 bis 70 Filme“, berichtet Festivalleiterin Nicky Schulte. Da darf der Postbote ruhig zweimal stöhnen.

Samstag, 15.06.2013, 06:06 Uhr

Die ersten 200 Einsendungen waren bereits kurz nach dem Aufruf im März gekommen. Über 400 wurden bislang gezählt, am Ende werden es erfahrungsgemäß weit über 500 Filme sein. „Wir werden allein mit der Sichtung 1600 Stunden verbringen“, weiß Schulte aus Erfahrung. „140 Filme haben wir schon geschafft.“

Manches ist beim Filmfestival Münster anders. Nicht jedes Mitglied für sich, sondern das siebenköpfige Team der Sichtungskommission schaut sich alle Film gemeinsam an. Der zweite Unterschied: „Wir geben jedem Filmemacher eine Chance. Wir schauen uns jeden Film an.“ Wenn die Gruppe allerdings nach zehn Minuten den Eindruck habe, „dass uns das Werk in keinster Weise berührt, dann brechen wir auch schon mal ab“. Bislang drei Mal.

20 Sichtungstermine sind angesetzt. Es gibt viel Kaffee. Die Luft im Raum wird schlecht. „Aber Augentropfen benötigen wird nicht, und eingeschlafen ist auch noch keiner“, scherzt Nicky Schulte. Wie man mit den vielen Bildern im Kopf fertig wird? „Die Bilder nimmt man durchaus mit in die Träume.“ Kann man abends noch Filme sehen? „Ich nicht“, sagt Schulte, „aber die Jüngeren gehen nach Hause und entspannen abends bei einem Film.“ Die Jury betrachtet erst den Film, dann das informierende Beiwerk. So kann es vorkommen, dass ein Film, der schon eine Handvoll Preise erhalten hat, aus dem Wettbewerb genommen und dann außer Konkurrenz gezeigt werde. „Wir geben dann lieber noch einem Nachwuchs eine Chance.“

Und mit Erfolg: Das sechs-minütige Wunderwerk „The Centrifuge Brain Project“ von Till Nowak wurde 2011 in Münster entdeckt und prämiert. Nowak: „Ein paar große Festivals hatten den Film zuvor einfach nicht ins Programm genommen, und Münster hatte einfach als erstes den richtigen Riecher.“ Nachdem der Film in Münster entdeckt wurde, folgten 100 weitere Festivals und 28 Preise. Ähnlich erfolgreich war Stephan Flint Müller, der in Münster seinen ersten Film überhaupt eingereicht hat und der dann auf sämtlichen Festivals gelaufen ist, auch seine Folgeproduktion. Wegen seines Erfolgs in Münster habe Müller überhaupt erst Film studiert, erzählt Schulte. Stephan Flint Müller lebt heute als Filmemacher in Berlin.

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