Gleiches Recht für freie Künstler
Theaterszene in Münster fordert Finanzformel

Münster -

Wenn schon nicht gleiches Geld, so doch wenigstens gleiches Recht für alle. Meint die freie Kulturszene, denn sie kann rechnen: Wenn der Zuschuss fürs Theater Münster erhöht wird, der Kulturetat im Haushalt aber nicht, bedeutet das: weniger Geld für Freie. In einer konzertierten, von Rainer Bode von der „Freien Kunst und Kultur Münster“ im Cuba angestoßenen Aktion haben sich (bis jetzt) 17 freie Träger mit Anträgen an den Rat gewandt. „Würden alle beschlossen, kämen wir auf 500 000 bis 600 000 Euro“, hat Bode grob überschlagen.

Mittwoch, 05.06.2013, 01:06 Uhr

Das Cuba steht exemplarisch für die freie Szene, die wie das Theater Planungssicherheit durch einen fairen Finanzrahmen fordert.
Das Cuba steht exemplarisch für die freie Szene, die wie das Theater Planungssicherheit durch einen fairen Finanzrahmen fordert. Foto: Matthias Ahlke

In einer Pressekonferenz machen gestern viele Vertreter der Freien deutlich, dass sie einerseits eine Gleichbehandlung mit anderen Institutionen (wie dem Theater Münster ) fordern – also beispielsweise analog zu Tariferhöhungen eine Anpassung der Zuschüsse. Und zum anderen wollen sie auf die prekäre Lage vieler freier Kulturschaffenden hinweisen. In Münsters freier Szene leben an die 1500 Menschen von ihrer Kunst, so Bode .

Erhart Hirt macht für das Cuba-Cultur darauf aufmerksam, dass der Programm-Zuschuss in den vergangenen zehn Jahren um 27 Prozent gesunken sei. Anne von Papen verweist fürs Kreativ-Haus darauf, dass es auch bei ihren acht Stellen Tariferhöhungen gegeben habe ohne Ausgleich, wie er jetzt dem Theater Münster zugestanden werden soll, um aber zugleich zu betonen: „Wir wollen keine Neiddebatte.“

Barbara Kemmler erinnert für das vielfach ausgezeichnete Junge Theater Cactus daran, dass Münster sich freue, eine so lebendige Kulturszene zu haben. Aber: „Dann muss sie auch dafür zahlen.“ Immerhin bringe jeder städtische Euro fünf Euro Zuschuss von anderen Förderern in die Stadt. Deshalb sei ein Zuschuss der Stadt so wichtig.

Ludger Schnieder listete fürs Pumpenhaus auf, dass der Zuschuss in Höhe von 190 000 Euro im Jahr 1999 seit 2005 auf dem gesenkten Niveau von 170 000 Euro verblieben sei. Der gedeckelte Kostenrahmen für Proben betrage zum Beispiel 38 000 Euro, das Pumpenhaus müsse aber heute 70 000 Euro zahlen. „Das sind alarmierende Summen.“

Die Vertreter der freien Szene wiesen auf die kulturelle Vielfalt hin, die erst durch sie Wirklichkeit werde. Eine Zuschuss-Kürzung oder ausbleibende Steigerung bedeute zugleich sofort eine Existenzgefährdung. „Es ist quatsch zu sagen, es gebe keine Spartenkürzung“, formuliert Kemmler pointiert. Viele Kreativarbeiter hätten schon aufgegeben. Bode: „Das ist ein schleichender Prozess.“

Und den will man nun stoppen. Die Politik muss entscheiden, war der allgemeine Tenor. In einer Woche tagt der Kulturausschuss. Dann liegen die 17 Anträge auf dem Tisch.

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