Zum Pianissimo zwitscherten sogar die Vögel
Westfälischer Kammerchor in der Apostelkirche

MünstEr -

Während halb Münster noch in der Innenstadt unterwegs war, um sich an Sommerluft zu laben, strömten viele Freunde des Chorgesangs in die Apostelkirche. Ein Chorkonzert um halb zehn ist ungewöhnlich; „(T)Raumklänge zur Nacht“ war es überschrieben. Stücke, die sich thematisch und musikalisch in die Welt des Schlummers begaben und die teils noch nie in Münster erklungen waren. Und wer den Westfälischen Kammerchor und seinen Leiter Markus Föhrweißer kennt, durfte sicher sein, dass diese Musik mit viel Farbe und Feinschliff daherkommen würde.

Montag, 17.06.2013, 14:06 Uhr

In der Apostelkirche sang der Kammerchor Lieder aus der Welt des Schlummers.
In der Apostelkirche sang der Kammerchor Lieder aus der Welt des Schlummers. Foto: zin

Einmal mehr konnte man abtauchen in A-cappella-Werke der maßvollen Moderne, die sich nicht minder innig aussingen als etwa bei Schütz – nur eben in den Gewürzschrank des 20. Jahrhunderts greifen. Die Reise begann in Skandinavien .

Wenn der Schwede Hugo Alfvén (1872-1960) den „Abend“ (Aftonen) begrüßt, so tut er dies mit träumerisch dahingesummten Vokalen, „Ooos“ und „Uuus“, die die wunderbare Piano-Kultur des Chors sofort vor Ohren führen. Viele der Chorstücke verhauchen mit zarten Pianissimi – und bei Wilhelm Peterson-Berger zwitschern sogar einige Vögel vor den Fenstern mit hinein.

Beinahe wirkte das Konzert wie ein Wettstreit um den schönsten Pianissimo-Schluss: Jaakko Mäntyjärvi würzt sein Stück „Die Stimme des Kindes“ mit schmusebärigem Bassfundament (und ein solches hat der Chor eben auch, was nicht selbstverständlich ist!).

Eric Whitacre (Jahrgang 1970) beschließt sein „Sleep“ mit einem spinnwebendünnen Diminuendo, das in Traumsphären weist – vielleicht gar ins All, so wie es Holst in seinen „Planeten“ vormachte. Whitacre hat es übrigens durch den größten virtuellen Chor auf Youtube zu Berühmtheit gebracht.

Apostel-Kantor Klaus Vetter lässt passende Orgelintermezzi hören, von denen seine Bearbeitung von Schumanns „Träumerei“ die interessanteste Neu-Interpretation ist. Viernes „Claire de Lune“ wirkt gegen Ende des Abends aber zu schläfrig.

Mit dem anspruchsvollen Abendlied von Max Reger wurden Markus Föhrweißer und sein Chor schon beim Deutschen Chorwettbewerb in Regensburg prämiert. Und Brahms’ Wiegenlied-Evergreen entdeckt man an diesem Abend förmlich neu.

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