Kammerchor Münster konzertiert in der Lambertikirche
In allen Sphären unterwegs

Münster -

Vielen bedeutenden Werken ist anzumerken, dass sie im Schatten des Zweiten Weltkriegs entstanden sind. Manche, wie Brittens „War Requiem“, machen dies ausdrücklich zum Thema. Bei Zoltán Kodálys „Missa brevis“ (uraufgeführt 1945) sind die Gräuel eher wie unter Schleiern verborgen – und der Kammerchor Münster unter Hermann Kreutz fegte sie zum Glück nicht lauthals hinweg. So gelang am Samstagnachmittag eine Aufführung, die das Werk wunderbar emotional auslotete, ohne seine Vielschichtigkeit anzutasten

Sonntag, 14.07.2013, 18:07 Uhr

Der Kammerchor Münster mit Hermann Kreutz (l.)
Der Kammerchor Münster mit Hermann Kreutz (l.) Foto: zin

Vielen bedeutenden Werken ist anzumerken, dass sie im Schatten des Zweiten Weltkriegs entstanden sind. Manche, wie Brittens „War Requiem“, machen dies ausdrücklich zum Thema. Bei Zoltán Kodálys „Missa brevis“ (uraufgeführt 1945) sind die Gräuel eher wie unter Schleiern verborgen – und der Kammerchor Münster unter Hermann Kreutz fegte sie zum Glück nicht lauthals hinweg. So gelang am Samstagnachmittag eine Aufführung, die das Werk wunderbar emotional auslotete, ohne seine Vielschichtigkeit anzutasten.

Die Missa brevis wurde mehrfach umgearbeitet, während der Komponist noch im belagerten Budapest eingeschlossen war. In maßvoll moderner, eingänger Klangsprache arbeitet der Ungar in seiner Musik oft mit Hell-Dunkel-Kontrasten, nicht zuletzt auch durch separate Männer- und Frauenstimmen. Ein dunkler Schatten liegt über dem Gloria, das sich nur mühevoll vom Dunkel ins Licht emporsingt. Nach einem überraschend sphärischen, hellen Credo wird die Musik stellenweise fast lautmalerisch; „Crucifixus etiam pro nobis“: Da steigen die tiefen Stimmen gleichsam in Grabestiefe hinab – um sich wenig später zur glockenhellen Auferstehung emporzuschwingen.

Den meist transparenten Chorsatz hielt Hermann Kreutz präzise zusammen – aber die Ausdrucksdichte war ihm gottlob noch wichtiger. Die Anforderungen, insbesondere bei Sopranen beachtlich, meisterte der Chor souverän. Er war übrigens nicht am Altar, sondern unterhalb der Orgel aufgestellt, weil Kodálys Fassung mit Orgelbegleitung aufgeführt wurde. Christiane Alt-Epping sorgte an der Schuke-Orgel für farbigen, „orchestralen“ Unterbau.

Zuvor hatte die Organistin die virtuose „Phantasie-Sonate“ von Ludwig Neuhoff (1859-1909) gespielt. Ein wahrlich farbiges Werk, das die große Geste ebenso verlangt wie andächtiges Innehalten. Motetten von Mendelssohn, Grieg und Joseph Reinberger rundeten das exzellente Konzert ab.

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