Konzert des Universitätschores
Mitreißende Stimmungswechsel

MünstEr -

In der Aula am Aasee setzte der Universitätschor auf Deutsche Romantik.

Sonntag, 21.07.2013, 17:07 Uhr

Großer Applaus für Begleiterin Natalija Pavlioutchik, Chorleiter Ulrich Haspel und den Universitätschor.
Großer Applaus für Begleiterin Natalija Pavlioutchik, Chorleiter Ulrich Haspel und den Universitätschor. Foto: zin

„Jetzt wird’s Romantik !“ Der muntere Slogan des Programmhefts wird von Chorleiter Ulrich Haspel sofort mit einem Fragezeichen versehen. Romantisch? „Nein! In unserem heutigen Konzert wollen wir nichts beschönigen und auch keine ‚romantischen‘ Gefühle wecken.“ Wie es sich für einen akademischen Chor gehört, wird in seinem Text eine verkitschte Allerwelts-Romantik vom künstlerischen Epochen-Begriff abgegrenzt. So weit, so intellektuell.

Dass die Chorstücke von Schumann, Mendelssohn und Co. das Publikum mit romantischem Überschwang einlullen könnten, war denn auch nicht zu befürchten. Das lag an der staubtrockenen Akustik der Aasee-Aula, die jeden süffigen Akkord sterilisierte; das lag an der Klavierbegleitung von Natalija Pavlioutchik, die mehr präzise als funkenschlagend daherkam; das lag zum Teil aber auch am Universitätschor selbst, der einen mächtigen Brahms-Brocken wie das „Schicksalslied“ eben nicht ganz ohne Ächzen erklimmt.

Schöne Momente gab es aber genug, um die zahlreichen Zuhörer zu frenetischem Beifall zu motivieren. Wenn junge Sängerinnen und Sänger sich in Schumanns „Nachtlied“ versenken, können sie gar nicht anders, als die Seelenpein der Hebbel-Verse beim Wort zu nehmen. „Das Schloss am Meer“ von Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) spürt in dramatischem Balladenton der Nachtseite des Mittelalters nach – und auch hier folgen Haspel und sein Chor den Stimmungswechseln so intensiv, dass man mitgerissen wird.

Deutsche Romantik satt: Wenn der Chor um ein Drittel reduziert wird, um sechs schlichte Volkslieder von Friedrich Silcher (a cappella) zu singen, grüßen im Text viele Bekannte. „Am Brunnen vor dem Tore“ (Friedrich Müller) oder „Hab oft im Kreise der Lieben“ (Adalbert von Chamisso). Indem er Schubert bearbeitete, hat Silcher den Volksliedcharakter des „Lindenbaums“ erst festgeschrieben.

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