Die kleine Idylle für Zwischendurch
Sechs Künstlerinnen bestreiten die fünfte „Hbf“-Ausstellung rund um das Bahnhofsviertel

Münster -

Reingehen, zur Ruhe kommen und durchatmen: Der kleine gelbe Bauwagen – eine Mischung von Orangerie und Kleingartenbutze – hat ein Ziel: Entschleunigung. Und das gelingt Maike Brautmeier und Ute Frederike Schernau durch Farbe, Fotos und Standort. Denn es gibt in Münster wohl keine Stelle, wo der Puls der Stadt schneller schlägt als direkt vorm Hauptbahnhof. Hier haben die beiden Fotografinnen ihre Arbeit „Feeling blue“ im Rahmen der fünften Ausstellung „HBF – Häuser, Bilder, Fenster“ aufgebaut.

Samstag, 31.08.2013, 06:08 Uhr

Die von der auch kulturell umtriebigen Interessengemeinschaft (ISG) Bahnhofsviertel organisierte Schau stellt diesmal sechs Künstlerinnen mit fünf Positionen vor. Isabelle von Schilcher hat das Fenster eines leeren Ladens mit einer blauen Folie beklebt, in der sich jetzt alles bläulich spiegelt. Der Titel „Blue Hour“ verweist auf jenem Moment des Abends und Morgens, wenn das Sonnenlicht die gleiche Dämmerigkeit verbreitet wie das Kunstlicht der Laternen.

Anke Gollup bezieht einmal mehr politisch Position. Ihre Arbeit „News“ im Cuba zeigt zwei Kilometer Tonbänder, die an der Scheibe des Cuba das „Like“-Zeichen bilden. Doch der „Daumen hoch“ ist hohl und führt in ein Loch, in dem die Ton-Daten verschwinden. Die NSA-Abhöraffäre lässt grüßen. Immerhin kann der Besucher im Cuba sehen, wo die Daten landen – im unentwirrbaren Müll.

Franziska Lena Kluw bringt mit rhythmischem Licht in Blau und Weiß Leben ins Gebäude „Von-Steuben-Straße 4/6“ zurück. Denn die Immobilie soll verscherbelt werden – die Würde des Gebäudes spielt da keine Rolle. Denn ohne Denkmalschutz sind Häuser nicht des Schutzes würdig.

Nadine Arbeiter zeigt in einem Video „Wirklichkeiten in denen wir leben“. In vier Bildern werden Ehe-Paare der Zeitgeschichte in Comic-artiger Szenerie gezeigt. Die bekannteste Situation ist sicher die aus dem Film „Die Reifeprüfung“ mit den Braddocks. Für Kunstkenner dürfte das Ehebild zu Larry Sultan (1946-2009) interessant sein, hat der amerikanische Fotograf doch Bilder der eigenen Familie aus zehn Jahren zusammengetragen und eine Bestandsaufnahme daraus geformt.

Wer die Kunst-Rundtour im Bahnhofsviertel hinter sich hat kann sich am Ende wieder im gelben Bauwagen von Brautmeier und Schernau ausruhen. Dort hängen Bilder farblich sortiert in Blau (Schernau) und Gelb (Brautmeier), Fotografien mit romantischen Motive, die ein bisschen Freiheit, ein bisschen Frieden, ein bisschen Seligkeit zeigen, in jedem Fall Entschleunigung.

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Die Ausstellung ist bis zum 8,. September zu sehen. Führungen von und mit Lejla Aliev gibt es am Samstag (31. August) um 18,20 und 22 Uhr sowie am Sonntag (1. September) um 16 Uhr als Familienführung.

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