Orgelkonzert in St. Lamberti
Ein Italiener huldigt Frankreich

Münster -

Moment mal, war das etwa schon die Improvisation über „Lobe den Herren“, die eigentlich erst für den Schluss des Orgelabends in St. Lamberti annonciert war? Immerhin spielte Gastorganist Fausto Caporali mit just diesem Thema schon gleich nach dem Bach-Auftakt. Minuten des Rätselratens folgten, auf dem Programm nämlich stand Caporalis eigene Komposition „Variations quodlibet“ – die dreht sich aber ganz offensichtlich eben auch um „Lobe den Herren“, was Organisator und Themensteller Martin Blindow nicht hat wissen können. Noch dazu: Caporalis Komposition wirkte wie improvisiert, mit französisch-barockem Auftakt wie bei Nicolas de Grigny, gefolgt von allen Heiligen der Pariser Szene. Süffige Symphonik aus dem Geiste Pierre Cochereaus, bizarres Leuchten à la Jean Guillou, orientalisch-heiße Rhythmik, wie man sie von Naji Hakim kennt. Ganz klar: Caporali, Kathedralorganist aus Cremona, mag die Franzosen.

Sonntag, 11.08.2013, 16:08 Uhr

Und er entdeckt Francis Poulenc für die Orgel. Weil es nichts Originales gibt, hat Caporali transkribiert. Erfolgreich. Poulencs „Suite francaise“ ist ideal dafür, funkelt in allen erdenklichen Bläser-Farben, verströmt ihren archaisierenden Duft, nicht ohne die angeschärfte, für Poulenc so typische Harmonik. Eine echte Bereicherung fürs Repertoire, zumal Caporali diese Musik sehr gewissenhaft auf die Möglichkeiten der Lamberti-Orgel abgestimmt hat.

Über Caporalis Bach-Auffassung kann man diskutieren. Toccata, Adagio und Fuge C-Dur – auch aus dem Geist der Improvisation heraus gestaltet, vor allem im Adagio mit seinen vielen Verzierungen. Die Toccata anfangs als geflüsterter Monolog, erst dann in kraftvoll barockes Rauschen getaucht, das Ganze allerdings bis zum Fugenschluss konsequent mit chronisch unterbesetzter Pedalstimme.

Noch eine lohnende Entdeckung: Ottorino Respighi und seine beiden Kirchenfenster-Meditationen. Eine innig in sich gekehrte über die heilige Clara, dann eine machtvoll sich Laut verschaffende über den Erzengel Michael mit gregorianischen Einsprengseln. Pauken und Trompeten signalisieren den Sieg. Und Caporali schöpft aus dem Vollen, verbreitet gleißendes Licht. Das hielt eine Hälfte des Publikums schon für das Ende des Konzertes, applaudierte fleißig und ging. Die andere Hälfte bekam noch einmal „Lobe den Herren“ – als Improvisation. Ganz so viel haben die zu früh Gegangenen aber nicht verpasst. Es ging halt wieder sehr à la française zu, wieder sechs, sieben Minuten Symphonisches in der Manier der Lieben von der Seine.

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