Orgelsommerkonzert
Fließend wie Milch und Honig

Münster -

Daria Burlak sitzt an der Orgel in der Überwasserkirche – und spielt Bachs g-Moll-Fantasie nebst Fuge wie eine junge Göttin. Forsch, angetrieben, mit musikantischem Schwung und schlichtweg virtuosem Zugriff.

Sonntag, 04.08.2013, 17:08 Uhr

Daria Burlak an der Orgel in der Überwasserkirche: Nicht nur ihre Bach-Interpretationen waren eine Wucht.
Daria Burlak an der Orgel in der Überwasserkirche: Nicht nur ihre Bach-Interpretationen waren eine Wucht. Foto: cws

Ist Johann Sebastian Bach Maßstab aller Orgelmusik aller Epochen, wie Martin Blindow in seiner Begrüßung formulierte? „Ja“, muss man sagen – wenn man Bachs Musik so zu hören bekommt wie am Samstag in der Überwasserkirche . Daria Burlak saß dort am Spieltisch – und spielte Bachs g-Moll-Fantasie nebst Fuge wie eine junge Göttin. Forsch, angetrieben, mit musikantischem Schwung und schlichtweg virtuosem Zugriff. So wird Bach einst selbst sein Auditorium gepackt haben, so wirken seine Töne aufregend auch heute.

Den anderen Orgel-Bach, den kammermusikalischen, ließ die 1986 in Wladiwostok geborene Interpretin in der d-Moll-Triosonate fließen wie Milch und Honig . In geschmackvolle Klänge gehüllt, transparent und luftig leicht bis hinein in den brillant gemeisterten Finalsatz. Die reinste Hörfreude!

Für den Spätromantiker Wilhelm Middelschulte war Bach das Zentrum schlechthin, weshalb seine eigene Orgelmusik thematisch permanent um des Meisters Oeuvre kreiste. Erst „Scherzo“, dann „Adagio“, schließlich eine rasante Toccata mit ausgedehnten Soli fürs Pedal wie in Bachs a-Moll-Präludium. Wer technisch so versiert ist wie die junge Organistin Daria Burlak, braucht diesen Tastensprint selbst bei hochsommerlichen Temperaturen kaum zu fürchten.

Nichts an diesem Orgelabend mit seinem fabelhaften Programm war auch nur einen Augenblick lang uninteressant. Nicht Gabriel Piernés pianistisch angelegtes „Prélude“, nicht das schillernde Bild von der Fensterrosette der Basilika Sacré-Coeur in Paris, die für Henri Mulet Inspirationsquelle für sein Stück „Rosace“ war. Maurice Duruflé mag in seiner „Sicilienne“ an Debussy oder orientalische Klänge gedacht haben. Burlak ging mit großer Raffinesse und gutem stilistischem Gespür daran, diese farbenreiche Musik auf einem doch eher unfranzösischen Instrument wirklich überzeugend lebendig werden zu lassen.

Und schließlich noch ein amerikanisches Bonbon des hierzulande kaum bekannten Seth Bingham. Ein hurtig purzelndes Scherzo, in das sich immer wieder Jagdhorn-Bläser hineinmischen. Ob sie erfolgreich dem Wild nachstellen konnten? Man weiß es nicht. Bingham jedenfalls hat sein Stück mit „Roulade“ betitelt. Was immer er damit gemeint hat ...

Großer, völlig berechtigter Beifall für Daria Burlak, die sich mit einer französisch-barocken „Tierce en taille“ bedankte.

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