Paradies  für  Kaninchen
„Study Garden“ von Siah Armajai liegt versteckt hinter dem Geologischen Museum

Münster -

Vor dem biblischen Paradies steht der Erzengel Michael. Das Schlaraffenland versperrt ein Berg von Grießbrei. Und rund um den „Study Garden“ von Siah Armajani stehen Bauzäune. Die gehören nicht zum Kunstwerk. Zwar wollte der iranische Künstler dieses Paradies (im Altiranischen das Wort für Garten) ein wenig verstecken, aber derzeit kommen Kundige nur quasi durch die Hintertür hinein.

Donnerstag, 15.08.2013, 08:08 Uhr

Oase mitten im Trubel: Am Garten von Siah Armajani rauschen die Menschen vorbei, doch wer ihn findet, den entlohnt er mit einer Ruhe (wenn nicht gerade im Museum rumort wird), die mitten in der Stadt selten ist.
Oase mitten im Trubel: Am Garten von Siah Armajani rauschen die Menschen vorbei, doch wer ihn findet, den entlohnt er mit einer Ruhe (wenn nicht gerade im Museum rumort wird), die mitten in der Stadt selten ist. Foto: Gerhard H. Kock

Ursprünglich führt ein kleiner Weg entlang des Geologischen Museums zum Skulptur-Projekt von 1987. Der ist versperrt, mit Schwung kann man aber die Mauer an der Seite überwinden. Das ist aber nicht Sinn der Sache. Der weniger artistische Weg führt von der Johannisstraße (Ecke Pferdegasse) in den Innenhof hinter dem Bibelmuseum , dann die Bautreppe hoch, immer am Absperrgitter lang, bis sich rechts der grüne Innenhof öffnet. Hier ist das Paradies für Kaninchen .

Unter dem im vorigen Jahr vom Landesmuseum frisch gestrichenen Kunstwerk befindet sich nämlich nicht nur ein Bunker. Auch die vermehrungsfreudigen Wühler haben die paradiesischen Verhältnisse weidlich ausgenutzt. Tiefe Löcher sind die Folge.

Wer diese abseitige Idylle aufsucht, findet eine Sitzgruppe vor. Die Möbel sind eigenwillig. Das soll so, damit man sie nicht gedankenlos hinnimmt. Aber die Tische und Bänke sollen genutzt werden. Armajanis Absicht ist: Kunst soll die soziale Konstruktion von Kunst erkennen lassen.

Im „Study Garden“ ist die Kunst auf Kommunikation hin „konstruiert“. Es gibt drei Szenarien: Bänke für den offenen Austausch sind vielleicht für Gruppengespräche gedacht, Philosophenkreise vielleicht, bei der die einen die These, deren Gegenüber die Antithese vertreten, aber beide Parteien gelassen im Sitzen die Synthese zusammendenken. Am Tisch mit dreieeckigem Sichtschutz ließe sich sogar die Beichte abnehmen oder ein Geständnis machen, das von Angesicht zu Angesicht unmöglich scheint. Eine Bank plus zwei Einzelplätze Rücken an Rücken vermag ähnliche Dialoge zu ermöglichen, wobei hier ein jeder noch mehr für sich bleibt, vor sich hin reden kann.

Aber dieser Garten ist wie das Paradies – man muss es erst mal finden.

 

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