Selbst im Sommer ausverkauft
Monatlicher Poetry-Slam im Cuba ist Kult

Münster -

Münsters „Tat-Wort Poetry Slam“ hat sich einen ausgezeichneten Namen gemacht – inzwischen haben die erfrischenden Wort-Gewitter im Cuba selbst im Sommer Konjunktur, so an diesem Montagabend. Wieder einmal waren es mehr als die vorgeschriebenen zehn, nämlich zwölf Slammer aus der ganzen Republik, und der Saal war ausverkauft.

Dienstag, 13.08.2013, 22:08 Uhr

Keine Regel ohne Ausnahme: Eigentlich dürfen an einem Poetry-Slam im Cuba lediglich zehn Dichter teilnehmen. Aber auch am Montagabend wurde es dann doch wieder ein Dutzend, das auf die Bühne drängte.
Keine Regel ohne Ausnahme: Eigentlich dürfen an einem Poetry-Slam im Cuba lediglich zehn Dichter teilnehmen. Aber auch am Montagabend wurde es dann doch wieder ein Dutzend, das auf die Bühne drängte. Foto: Andreas Hasenkamp

Stefan Schwarze und An­dreas Weber führten durch das Ringen um den Pokal. Jeder Teilnehmer hatte sieben Minuten für sein Selbstgeschriebenes, dann vergaben die Zuhörer ihre Punkte. Poetry-Slams bieten dabei für vieles Platz: Schlicht vorgetragene Verse recht introvertierter Art, extrovertierter Wortwitz im Stakkato zur Erheiterung, begleitet von intensiver Gestik und Mimik, eine ernste, ja dramatische Erzählung vom Mädchen im tränengas-gefüllten Gezi-Park.

Zum Auftakt hadert Sioulis aus Gütersloh mit Fortuna, appelliert, auf Risiko zu gehen. Wenn Claudia Ratering aus Münster am Aasee tote Fisch liegen sieht, wird aus den „kleinen silbernen Leichen“ ein Sinnbild, eine Reflexion über die Einstellung zur Neugier und zum Wagnis. Des Hannoveraners Tobias Kunze Humoreske galt den Kapriolen deutschen Wetters, auch dem Sommer, „wenn in den Freibädern mehr Fleisch schwappt als Wasser“.

Die Wortspielhölle deutscher Dienstleister kennt kein Erbarmen, veranschaulichte Daniel Wagner aus Heidelberg mit „hairlichen“ Beispielen und zeigte, was im Orientalischen noch brach liegt: etwa „Döner for One“ oder „Back datt“.

Helge Goldschläger aus Düsseldorf ist einziger Übersetzer für die neue Sprache, „bürotisch“ (nicht zu verwechseln mit dem Bürotisch), die Sprache der Finanzverwaltung. In die übersetzt er „Hänsel und Gretel“. Auch das ein Lachkracher. Einer in Reihe 18 muss sein Gesicht zwecks Emissionsreduzierung von positiven Emotionen in der Oberbekleidung versenken. Kein Zufall, er ist beruflich in jenem „bürotischen“ Biotop daheim, ist Steuerfachmann – und Slammer Aida auch. Hinter dem Mikro ist der Erfurter ebenfalls von ansteckendem Humor, reflektiert das Leben in Beruf und Hobby, lässt als Erster das Publikum mittun – das macht Münsters Publikum, weit mehr als er erwartet hatte.

Aufmerksam und mit Respekt verfolgen die Gäste des Slams die Anstrengungen der kämpfenden Dichter, die einen mit Blick auf die Bühne, andere weiter hinten über eine Projektion, einige auch ohne direkte Sicht – es ist proppenvoll.

Seit Oktober 2005 gibt es im Cuba die Slams. Anfänglich machte der Slam in den Sommermonaten Pause. Das ist vorbei. Sonst war im Sommer nur fast ausverkauft, an diesem Abend ganz. Das Publikum war gemischt, wenn auch vorwiegend jung.

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Am 4. Oktober wagen die Organisatoren gemeinsam mit dem Theater Münster eine Premiere im Großen Haus, den „Dead Or Alive Poetry Slam“: Slammer versus Klassiker.

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