Liebeserklärung in den Katakomben
Kontrabassist Heinz Mundt zeichnete und sammelte für sein Archiv des Sinfonieorchesters

Münster -

„Das sind die Katakomben“, sagt Heinz Mundt lächelnd, nachdem er den Reporter am Personaleingang empfangen und in den Keller gelotst hat. Hier kommt man als normaler Theatergast nicht hin – es ist das Reich der Musiker. „Stimmzimmer Damen“ steht an einer Metall-Tür. Und unter Leitungsrohren breitet sich eine weitläufige „Galerie“ aus. Eine, die in Bildern die Geschichte des Sinfonieorchesters erzählt. Eine Galerie, die es ohne Heinz Mundt nicht gäbe. „Meine Liebeserklärung an das Orchester.“

Donnerstag, 05.09.2013, 21:09 Uhr

Heinz Mundt zeigt hier auf seine Zeichnung von Alfred Walter (1929-2004), der von 1970 bis 1985 Generalmusikdirektor in Münster war.
Heinz Mundt zeigt hier auf seine Zeichnung von Alfred Walter (1929-2004), der von 1970 bis 1985 Generalmusikdirektor in Münster war. Foto: Arndt Zinkant

Jahrzehntelang hat er im städtischen Orchester den Bass gestrichen. Und wenn es am hölzernen Brummbären mal nichts zu tun gab, zückte Mundt gern den Bleistift und zeichnete. Im Visier: Die Köpfe der Orchesterkollegen – von hinten, von vorn oder im Profil. Mal skizzenhaft hingestrichelt, mal akribisch ausgeführt bis in die letzte Nasenfalte. Da sieht man etwa den Charakterkopf jenes Bratschisten, den alle nur „Professor“ nannten, oder die dunklen Augen von Konzertmeisterin Midori Goto . Und natürlich die Herren Dirigenten: Angefangen bei Generalmusikdirektor Reinhard Peters (unter dem Mundt in den 60er Jahren erste Dienste tat) bis hin zu Fabrizio Ventura, dem aktuellen Orchesterchef. Auch die tolle Foto-Galerie geht auf Mundts Initiative zurück. Frühe Aufnahmen der 20er Jahre, auf denen das Orchester zum Beispiel unter Leitung des streng blickenden Richard Strauss spielt.

„Ah, da haben wir die Mahler-Medaille bekommen!“, kommentiert Mundt ein Foto von 1981. „Wir waren erst das dritte Orchester, das den kompletten Mahler gespielt hat. Nach den Wiener Philharmonikern und dem Concertgebouw.“ In der Ära von Alfred Walter war das, und diese war auch Mundts große Zeit. Er hat den Maestro, der so schön mit Wiener Schmäh reden konnte, nicht nur gezeichnet – er hat sich auch das Dirigier-Handwerk bei ihm abgeschaut. „Ich hab mir vieles im Leben abgeschaut“, lächelt der 74-jährige Tausendsassa, der so manches Kammerkonzert dirigierte, Orgel und Klavier spielt, komponiert, und sich sogar die (Kunst-)Tischlerei mühelos selber beibrachte.

Heinz Mundt ist auch ein Archivar, ein Bewahrer des Vergangenen. Alles hat er gehortet, was mit Münsters Musiktheater zu tun hat: Bücher, Zeitschriften, Programmhefte („Tausende!“), Fotos und natürlich Ton-Aufnahmen. Nicht nur eine des legendären Wagner-„Rings“ unter Will Humburg, sondern auch Probenaufnahmen und Rundfunkmitschnitte. Sogar ein Tonband des Weihnachtsgottesdienstes, den der Pastorensohn aus Fürstenau einst an der Orgel begleitete, hat überlebt. Vieles aus Münster wäre im Stadtarchiv gut aufgehoben, findet er.

Und wenn Heinz Mundt ins Plaudern kommt, steht einem der Mund offen: Wen der alles kennt! Er speiste mit dem großen Pianisten Géza Anda, der in Münster sein letztes Konzert gab. Er spielte auf Mallorca vierhändig Klavier mit Norbert Schultze (dem Mann, der „Lili Marleen“ komponierte). Fotos zeigen ihn mit René Kollo oder dem großen Jazz-Bassisten Ray Brown.

Und dann holt Heinz Mundt lächelnd seine „Matula“-Jacke aus dem Schrank. Im Leder-Innenfutter steht: Claus Theo Gärtner. Mit dem Schauspieler und TV-Detektiv („Ein Fall für zwei“) ist Mundt seit 50 Jahren befreundet. Und ein Porträt des zerfurchten Charakterkopfes gibt es natürlich auch.

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