Vom Krieg im Alltag
Millennium Front Theater spielt auf den Aaseewiesen „Völkerschlachten NRW“

Münster -

„Wenn man eine Nadel auf meine Furchen setzen würde, weiß man nicht, was man hört.“ Der Sprecher ist verstört ob der Aggressionsbereitschaft und Gleichgültigkeit um ihn herum. „Es fühlt sich alles so sinnlos an.“ Es gebe kaum eine Gegenwehr. Der Krieg tobe, auch gesellschaftlich.

Sonntag, 29.09.2013, 19:09 Uhr

Mit Alltagswaffen will das Millennium Front Theater auf den Aaseewiesen den gesellschaftlichen „Krieg“ bekämpfen. Und zwar auch noch am 2., 4. und 5. Oktober, jeweils ab 20 Uhr.
Mit Alltagswaffen will das Millennium Front Theater auf den Aaseewiesen den gesellschaftlichen „Krieg“ bekämpfen. Und zwar auch noch am 2., 4. und 5. Oktober, jeweils ab 20 Uhr. Foto: Andreas Meidinger

Maczik Brzoska verwendet in seiner Szene ein Alltagsbild und liest dafür an einem Tisch mit Stehlampe. Er fühlt sich beobachtet. Tatsächlich stehen die etwa 30 Theatergäste am Freitagabend im „Feldlager“ und hören ihm zu, schauen ihn an. Bildhaft sind die meisten Szenen gefasst, die das „Millennium Front Theater“ derzeit auf den Aaseewiesen spielt. Brzoska liest als fiktive Figur, fühlt, wie „der Krieg “ in sein Leben eindringt.

Die „ Völkerschlachten NRW “, so der Programmtitel, finden nahezu in „real time“ statt: Für zwei Wochen haben das kleine Ensemble sowie Schauspieler des Theaters im Pumpenhaus ihre feldgrauen Zelte nahe dem Wewerka-Pavillon als Rund aufgeschlagen. Sie texten, schlafen und essen dort. Meist erst Stunden zuvor sind Texte und Szenen entstanden: Untersuchungen gesellschaftlicher Schlachten.

So führt der Haupterzähler die Besucher durchs frühherbstliche Dunkel aus dem „Lager“ an einen umgestürzten Baum. Ein Mann im roten Bademantel ( David Fischer ) steht in der Baumkrone, wippt und erzählt verstandverloren von seinem Leben, das „einfach nur ein sinnloses Loch in mein Herz gegraben“ habe. Dann läuft er weg.

Grenzwertige Erfahrungen bilden die Basis der „Völkerschlachten“. Zurück im Lager: Eine Schauspielerin (Justine Hauer) erzählt abfällig, wie unfähig und feindselig sie Regisseure und Kollegen mittlerweile empfindet. Ihr Gegenüber zeigt ihr hingegen ihren Zynismus auf, kontert aber selbst mit einer gewalttätigen Alltagsgeschichte. Mit bissig gefärbtem Humor. Und ohne eine Lösung aufzuzeigen.

Schließlich das große Lagerzelt: Aus den Ecken heraus wird ein Disput um einen Auftragsjob geführt, der einen Creative Director (Brzoska) in den Wahnsinn zu treiben scheint. Intensiv für den Besucher auch hier: Das direkte Erleben rudimentärer Zustände. Der Gast sitzt in der Mitte, spürt die Enge, Wärme und die unbequeme Anspannung des Trios. Ganz ohne die Behaglichkeit eines Theatersessels.

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