Wanderer im Nebel
Andy Zondags Tanzproduktion „somewhere“ zeigt wenig Erhellendes

Münster -

Ein Musiker sitzt im Schneidersitz auf der Bühne des Pumpenhauses, kurbelt an einem Radio herum und erzeugt mit seiner E-Gitarre einen anstrengenden Sound aus Gesprächsfetzen, undefinierbaren Tönen und lauter Musik. Lange Zeit sieht man nichts, bis auf eine Nebelmaschine, die alles in wabernden Dunst hüllt, dann tritt endlich der Tänzer, Andy Zondag, in Aktion.

Donnerstag, 26.09.2013, 17:09 Uhr

Andy Zondag stellte im Pumpenhaus seine Choreographie „somewhere“ vor.
Andy Zondag stellte im Pumpenhaus seine Choreographie „somewhere“ vor. Foto: Pumpenhaus

Auf dem Rücken trägt er eine kuriose Konstruktion aus Klappstuhl und Kühlbox, mit seiner Sonnenbrille zur legeren Kleidung wirkt er wie ein Bergwanderer, nur dass sich jede seiner Bewegungen durch Langsamkeit auszeichnet. Doch weit scheint er ohnehin nicht zu wollen, liegt doch das höchste Etappenziel darin, einen geeigneten Platz für die Rast zu finden. Also trägt der Performer seine Requisiten mal hierhin, mal dorthin, setzt sich, stellt sein Bier ab. Endlich hat er es geschafft, trinkt die Flasche in einem Zug leer, blickt verklärt lächelnd ins Publikum. Irgendwann folgt eine Zigarette . So kann Entspannung aussehen . . .

„Somewhere“, so der Titel der Performance, soll laut Programm der ideale Ort für eine optimale Erholung sein, als Zuschauer fühlt man sich allerdings eher genervt von diesem langen, geräuschvollen Prozedere, in dem sich kaum etwas entwickelt.

Regie und Choreographie stammen von dem Performer, Andy Zondag , der bis dato in seinem Produktionsteam „ Unusual Symptoms“ als Tänzer in Aktion trat und seit einem Jahr unter Tanzchef Samir Akika am Theater Bremen engagiert ist. Bis 2012 tanzte er in Pina Bauschs legendärem Stück „Frühlingsopfer“, gilt also als Tänzer mit Ausdruck und Erfahrung; hier nimmt er sich allerdings sehr zurück.

Immerhin, seine kantigen Bewegungen entmenschlichen die Figur auf gekonnte Weise, und irgendwann zeigt Zondag einen zuckenden Tanz, bis er gekrümmt auf dem Boden liegt. Von tänzerischer Präzision zeugen solche kurzen Momente, Sinn und Bedeutung erschließen sich jedoch kaum, denn wirklich entspannend scheint hier letztendlich nichts zu sein, eher übertrieben und grotesk. Also eine Karikatur der jungen Partyszene? Vielleicht . . .

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