15. Filmfestival Münster
Zum Schluss regnete es Preise

Münster -

Nach einer fünftägigen Expedition in das Terrain überwiegend unabhängig produzierter Filme aus Europa mit über 110 Beiträgen in rund 62 Vorstellungen ist das Filmfestival Münster entschieden. Der Preis für die beste Regie im Europäischen Spielfilmwettbewerb, der sich 2013 dem Themenschwerpunkt „Zeit“ widmete und mit 5000 Euro dotiert ist, ging an Lola Randl für ihren Film „Die Erfindung der Liebe“ (D/LUX 2013), der als einer von acht Wettbewerbs-Nominierungen das 15. Filmfestival Münster am Mittwoch eröffnet hatte.

Sonntag, 13.10.2013, 19:10 Uhr

Sunnyi Melles und Bastian Trost in einer Szene des in Münster preisgekrönten Films „Die Erfindung der Liebe“ der Regisseurin Lola Randl. In dem Streifen geht es um vorgetäuschte Liebe und Erbschleicherei.
Sunnyi Melles und Bastian Trost in einer Szene des in Münster preisgekrönten Films „Die Erfindung der Liebe“ der Regisseurin Lola Randl. In dem Streifen geht es um vorgetäuschte Liebe und Erbschleicherei. Foto: Filmfestival Münster

Eine kreative Atmosphäre kennzeichnete das Festival in Münster : Eitan und David Cunio saßen in der Festival-Lounge oben im Cineplex und starrten auf ihre Smartphones. Über Skype quatschten die beiden Zwillingsbrüder mit ihren Freundinnen in Tel Aviv und aßen dazu Erdnussflips. Die beiden Hauptdarsteller des israelischen Entführungsdramas „Youth“, der von der Jury gestern mit einer lobenden Erwähnung bedacht wurde, waren gerade erst aus Antalya nach Münster gereist. In der Türkei waren sie wegen ihrer Rollen in dem brisanten Werk heftig beschimpft worden. Beim Filmfestival Münster war das Publikum da freundlicher. „Die sind wirklich interessiert“, lobten die beiden.

„Am meisten freue ich mich darüber, dass wir von den Filmemachern wieder so gutes Feedback bekommen haben“, bilanzierte Festivalleiterin Nicky Schulte gestern. Und ebenso schön sei es, wie im vermeintlichen Kommerzkinotempel Cineplex das Filmkunstwesen neben den Blockbustern so reibungsfrei koexistieren könne. Fünf Festivaltage lang.

So sah man also die Zuschauer vom stets sehenswerten Kurzfilmwettbewerb in die liebevoll kuratierte Horrorfilmreihe eilen, andere plauderten im Saal mit den Regisseuren – Marteinn Thorsson etwa kam direkt aus Reykjavik, um seine rabiate Satire „XL“ zu präsentieren. Wieder andere lümmelten in der Lounge und verbreiteten den neuesten Klatsch: War Jury-Mitglied Julia Hummer, diese einigermaßen wunderbare Schauspielerin, am Freitag auf der Festivalparty vom grimmigen Securitymann tatsächlich fast aus dem „Conny Kramer“ am Hawerkamp geworfen worden, wegen Rauchens? Ja, war sie. Als schließlich der Gewinner des Publikumspreises ermittelt wurde, obsiegte das Lokalkolorit. Denn der liebeskomödiantische Kurzfilm „Zu dir?“ von Sylvia Borges spielt in Münster. Und wenn eben dieses Münster das will, wird es auch 2015 wieder ein Festival geben. Zu wünschen wäre es. Nicht nur, weil das soeben vergangene so viel Spannendes zu bieten hatte. Sondern auch, weil eine Stad eine hohe Kinokultur zu verteidigen hat.

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