Benjamin Brittens „War Requiem“
Am Ort der Zerstörung

Münster -

Am 10. Oktober ist es 70 Jahre her, dass die Alliierten Bomben auf Münsters Innenstadt abwarfen. Am Ort der Zerstörung, im Dom, erinnert nun ein ambitioniertes Musikprojekt an das verheerende Ereignis – und mahnt zum Frieden.

Freitag, 04.10.2013, 18:10 Uhr

Der Dom 1946 mit dem vernichteten Westportal. Es diente den Bomberpiloten 1943 als Zielpunkt.
Der Dom 1946 mit dem vernichteten Westportal. Es diente den Bomberpiloten 1943 als Zielpunkt. Foto: Stadtmuseum

Rappelvoll sei der Paulus-Dom gewesen, als Philharmonischer Chor und Domchor vor 20 Jahren des Bombenabwurfs auf Münsters Innenstadt am 10. Oktober 1943 mit Dvoráks Requiem gedachten. „Selbst auf dem Domplatz haben noch Leute gestanden und zugehört, obwohl das Konzert gar nicht übertragen wurde“, erzählt Monika Schoppmann, Sprecherin des Domchores. Sie hat damals mitgesungen – und ist auch diesmal mit dabei, wenn Benjamin Brittens „War Requiem“ mit großer Besetzung 70 Jahre nach dem verheerenden Angriff im Dom aufgeführt wird.

Vor zwei Jahren, so Martin Henning , Leiter des Philharmonischen Chores, sei die Idee entstanden, Brittens eindrückliches Werk als erneute Kooperation beider Chöre aufzuführen. Dank enormer Flexibilität kamen weitere Partner hinzu. Nach eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit und einem gemeinsamen Probenwochenende befindet sich das ambitionierte Projekt nun „auf der Zielgeraden“, so Henning. Am Dienstag und Mittwoch gehen 200 Sängerinnen und Sänger, zwölf Ins­trumentalisten, das Sinfonieorchester Münster, Domorganist Thomas Schmitz und drei Solisten in die Endprobe.

„Brittens Werk“, kündigt Henning an, „passt nicht in unsere normalen Hörgewohnheiten.“ Es vermeide die Harmonie, um den Schrecken des Krieges spürbar zu machen. Um 15.03 Uhr fielen am 10. Oktober vor 70 Jahren die Bomben auf Münsters Innenstadt – weshalb das offizielle Gedenkkonzerten um 15 Uhr im Dom beginnt.

Eine ausgefeilte Platzierung im Dom (und später in St. Lamberti) soll laut Henning für intensive Hörmomente sorgen. Die beiden Chöre (Einstudierung: An­dreas Bollendorf und Henning) bauen sich mit dem Knabenchor Capella Ludgeriana (stellvertretende Leitung: Christiane Alt-Epping) und dem Chor der Musical Society aus Münsters englischen Partnerstadt York (Leitung: Philipp Moore) im Westchor auf, dem einstigen Angriffsziel der Alliierten. Alle Chorbänke werden dorthin ausgerichtet sein.

Mitten im Dom werden das Kammerorchester (Henning: „Die Crème de la crème von Instrumentalisten aus dem ganzen Bundesgebiet“) und die Solisten platziert. Neben Susanne Bernhard (Sopran) und Thomas Laske (Bariton) kommt mit James Edwards ein junger Tenor aus York hinzu. Der Standort soll helfen, die Zweischichtigkeit der Texte in Latein und Englisch hervorheben. An der Domorgel wird der Knabenchor stehen, der die unschuldige, himmlische Ebene symbolisiert.

Die Aufführung beginnt mit ergreifendem Glockenspiel. Bei der Probe, erzählt Claudia Arlinghaus vom Philharmonischen Chor, „ist es manchem Sänger danach schwergefallen, den ersten Ton rauszubringen.“

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Das Gedenkkonzert findet am 10.10. um 15 Uhr im Paulus-Dom statt. Der Eintritt ist frei, Stühle dürfen nicht mitgebracht werden! Die zweite Aufführung folgt am 12.10. um 20 Uhr in St. Lamberti. Karten dafür (20, erm. 14 Euro) gibt es u.a. im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt. Am 10.10. (12.30 Uhr) und 12.10. (17.30 Uhr) gibt es jeweils einen Einführungsvortrag zum Werk mit Musikdramaturg Jens Ponath im Theatertreff.

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