Das Erwachen aus dem Traum
„Tod eines Handlungsreisenden“ im Pumpenhaus

Münster -

Das Drama beginnt draußen vor dem Pumpenhaus. Durchs Fenster sehen die Zuschauer, wie Pitt Hartmann als Willy Loman aus dem Auto steigt. Jenem Auto, mit dem er, der Handlungsreisende, durch Amerika fuhr. 36 Jahre lächeln, Kunden fangen, Eindruck schinden. Willy Loman träumte den amerikanischen Traum – und Arthur Millers Theater-Klassiker (Pulitzer-Preis 1949) zeigt sein bitteres Erwachen.

Freitag, 25.10.2013, 21:10 Uhr

Auf seinen einsamen Fahrten hat der Handlungsreisende (Pitt Hartmann) einst eine Affäre mit einer jungen Frau (Marlena Keil) gehabt. Auch das gehört zum Trauma der Loman-Familie.
Auf seinen einsamen Fahrten hat der Handlungsreisende (Pitt Hartmann) einst eine Affäre mit einer jungen Frau (Marlena Keil) gehabt. Auch das gehört zum Trauma der Loman-Familie. Foto: Carola Loeser

Stichwort „Klassiker“: Das überrascht im Pumpenhaus , wo sonst innovative Produktionen am Puls der Zeit auf die Bühne gebracht werden. Doch der große Beifall gab „ Hartmann & Konsorten“ Recht. Die viel beschworene Aktualität war mit Händen zu greifen; nur teilweise war dem Stück sein Alter anzumerken, etwa durch die Figur der Linda Lomann (Beate Reker), die nur aus mütterlicher Fürsorge besteht und ihrem Mann, dessen Selbstmordversuche sie durchschaut, jene Anerkennung gibt, die ihm das Leben vorenthält.

Johannes Fundermann und Milena Weber (Regie) verlassen sich auf eine große, karge Bühne. Willy geht zum Laubharken draußen vor die Tür, seine Söhne wetzen in einer von Willys Traumsequenzen im Sportwettkampf hin und her. Ein großes Podest fungiert mal als Esstisch, mal als Hotelzimmer oder als das Büro vom Juniorchef, bei dem Loman um sein Gnadenbrot betteln muss. Der spricht hier tatsächlich „von oben herab“.

Arthur Millers Dialoge treffen ins Mark: Wenn Linda ihren Mann umhegt, die Brüder Biff und Happy große Pläne schmieden, lauert hinter jeder Zeile Enttäuschung. Hier kommt’s auf die Schauspieler an, die auf den Punkt besetzt sind.

Tilman Rademacher (Happy) glänzt als oberflächlicher Angeber. Beate Reker umschifft würdevoll den Hausfrauen-Kitsch. Der Vater-Sohn-Konflikt zwischen Willy und Biff ist schwerer. Stefan Nászay spielt den tragischen Verlierer und früheren High-School-Star glaubhaft, spart sich Wut und Pathos aber für die große Abrechnung. Dass er auch als Juniorchef Wagner auftritt, der Willy entlässt, ist eine bittere Pointe.

Und Loman? Der hat sich in Dustin Hoffmans Filmversion ins Hirn gebrannt, dessen amerikanischer Optimismus so verzweifelt grinste. Hartmann grinst nicht. Er spielt fast pathosfrei und erdet die Figur so verblüffend, dass man beinahe Malocher-Deutsch aus dem Ruhrpott mithört. Am Ende steigt er wieder ins Auto ; sein Selbstmord tilgt die Hypothek. „Wir sind frei“, seufzt Linda im nach ihm Grab.

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