Konzert der Alten Philharmonie Münster
Von Weite und Wehmut

Münster -

„Mal was anderes“, kommentierte Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg mit Understatement den Anblick des XXL-Instruments zu seiner Linken. Ein Alphorn spielte beim jüngsten Konzert der Alten Philharmonie Münster eine zentrale Rolle.

Montag, 14.10.2013, 18:10 Uhr

Ein XXL-Instrument im Zentrum: Solo-Hornist Michael Koch gesellte sich mit dem Alphorn zur Alten Philharmonie.
Ein XXL-Instrument im Zentrum: Solo-Hornist Michael Koch gesellte sich mit dem Alphorn zur Alten Philharmonie. Foto: zin

„Die originellsten Sinfoniekonzerte erlebt man bei Münsters Laienorchestern“ – wer diesen Gedanken bislang nie im Kopf hatte, dachte ihn vielleicht am Sonntag in der Waldorfschule, als das Solo-Instrument des Abends durch die Sitzreihen gewuchtet wurde: ein Alphorn . Was ursprünglich zwischen Weide und Kuhglocken seinen Stammplatz hatte, erhielt spätestens 1970 symphonische Weihen: Jean Daetwylers Konzert für Alphorn und Orchester; es war Michael Koch , Solo-Hornist beim Sinfonieorchester Münster , der hier seine Alphorn-Premiere gab. Marathon-Applaus!

„Mal was anderes“, kommentierte Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg mit Understatement den Anblick des XXL-Instruments zu seiner Linken. Erster Satz: Ein „Betruf“, der (angeblich) den einsamen Schafhirten auf der Alp vor bösen Geistern bewahren soll. Und Michael Kochs mächtiger Ansatz und langer Atem evozierten im Waldorf-Saal tatsächlich die Weite und Einsamkeit einer Alpenlandschaft.

Das Konzert kommt großteils im Gewand der – 1970 wahrlich verpönten – Spätromantik daher. Mysteriöse Tremoli, idyllisches Englischhorn, effektvolle Orchestrierung mit keckem Schlagzeug: Das Werk gibt keine Rätsel auf und kommt beim Publikum toll an.

Eigentlich hätte im Anschluss Brahms’ Erste gut gepasst, bezieht sich deren Hornsolo im Finale doch ebenfalls aufs Alphorn. Doch die Alte Philharmonie hatte die vierte Brahms-Sinfonie gewählt – und spielte sie begeisternd. Der Dirigent entschied sich für flüssige Tempi und lotete das Werk auch emotional aus. Allein die Wehmut und Melancholie des Andantes hätten das Konzert gelohnt (Danke, Cello-Gruppe!). Mochte es im Blech auch mal klappern – die Leistung des Orchesters beeindruckte bis zum zornig-dramatischen Finale.

Der erste Komponist des Abends, Jean Sibelius, inspirierte den Dirigenten zur gut gelaunten Moderation; zu musikphilosophischen Zitaten über die Stille als „Leinwand des Musikers“. Sibelius’ nur fünfminütige „Dryade“ ist ein Natur-Spuk über weibliche Baumgeister. Und seine berühmte „Valse triste“ erklang schier vorbildhaft.

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