Wilm Weppelmanns Beete-Boot verlässt den Aasee
Garteninsel ist abgeerntet

Münster -

Mit der Performance „Nicht zu retten – eine geistige Notwasserung von Wilm Weppelmann“ wurde am Sonntag seine schwimmende Garteninstallation „aFarm“ auf dem Aasee beendet. Seit dem 17. Juli hatte Weppelmann täglich dort Gemüse und Obst gegossen, den ersten Eisbergsalat im September geerntet.

Montag, 28.10.2013, 07:10 Uhr

Gartenarbeit auf dem Aasee – zum vorerst letzten Mal. Aber aus dem Gemüse wird eine Suppe gekocht.
Gartenarbeit auf dem Aasee – zum vorerst letzten Mal. Aber aus dem Gemüse wird eine Suppe gekocht. Foto: Matthias Ahlke

Künstler Wilm Weppelmann kauert auf seinem abgeernteten Garten im Aasee . Die Kohlköpfe sind gezogen, der kleine Apfelbaum liegt bäuchlings, der weiße Gartenstuhl ist zerhackt. Ein ausgebeuteter Garten, leer und öde. An den Aaseetreppen wachen zwei Personen mit Fernglas und Rettungsring in Hochsitzen darüber, dass niemand von der abgeernteten Garteninsel an das Ufer schwimmt. Eine Rolle Stacheldraht haben sie zur Wasserseite hin ausgerollt.

Die Aaseetreppen als Festung, ein unerwarteter und schockierender Anblick. Die Aufpasser rufen in den Aasee hinaus: „Schwimm dich frei!“. Dann imitieren sie, ein bisschen skurril, Schwimmbewegungen auf den Hochsitzen. „Wir wollen ihnen nur helfen!“ kommentieren sie und schicken die fiktiven Schwimmer wieder hinaus in den Aasee. „Sie müssen auch kooperieren!“ schimpfen sie. Eine makabre Persiflage der Situation der Bootsflüchtlinge vor den Südgrenzen Europas , von zwei Schauspielern des Improvisationstheaters „Scharf im Wolfspelz“ ( Rebecca Stratmann und Volker Bisping) zugespitzt. Am Ende dann holt ein kleines Motorboot den schwimmenden Garten ab, zieht ihn herüber ans andere Ufer. Dort wird er später demontiert. Aus den Lautsprechern an den Aaseetreppen erklingt dazu ein Gedicht des Lyrikers Aimé Césaire: „Keine Rasse besitzt das Monopol der Schönheit, der Intelligenz, der Kraft.“

Wilm Weppelmann verlässt am Ende total durchnässt und frierend die Gemüseinsel, denn zweimal während der Performance schwamm er im eiskalten Aasee. Beim zweiten Mal verfing er sich mit den Beinen in Kabeln, die von der Insel herabhingen. „Das war fast gefährlich, ich kam da allein nicht mehr raus“, erzählte Weppelmann. Das Gemüse von der Garteninsel, so Weppelmann weiter, wird am Welternährungstag zu einer Wassersuppe zugunsten der Welthungerhilfe verarbeitet.

Trotz Regens harrten Zuschauer gebannt aus und verfolgten das Spektakel.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2001833?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F1758611%2F2072645%2F
Riesenandrang beim Advents-Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt
Dicht gedrängt stehen die Menschen beim Advents-Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt und stimmen gemeinsam internationale Weihnachtslieder an.
Nachrichten-Ticker