Erster Film über vegane Lebenskultur
Marc Pierschel zeigt seine Dokumentation „Live and let live“ im ausverkauften Cinema

Münster -

„Live and Let Die“ hieß 1973 der James Bond-Streifen. Wir wissen nicht, was Bond isst, sondern nur was er trinkt: Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt. 40 Jahre später sorgt ein Dokumentarfilm im Cinema für ein volles Haus: „Live and let live“ nennt Autor und Regisseur Marc Pierschel (Lieblingsessen: Spinatpizza mit Käse) seinen 80-minütigen Film über die vegane Lebenskultur.

Montag, 04.11.2013, 20:11 Uhr

Drei Jahre Arbeit : Regisseur Marc Pierschel stellte im ausverkauften Cinema seinen abendfüllenden Film vor, der durch Crowd­funding finanziert wurde.
Drei Jahre Arbeit : Regisseur Marc Pierschel stellte im ausverkauften Cinema seinen abendfüllenden Film vor, der durch Crowd­funding finanziert wurde. Foto: pesa

Der Münsteraner lässt führende Experten aus den Bereichen Ökologie, Philosophie, Verhaltensforschung, Ernährungswissenschaft, Journalismus und Soziologie zu Wort kommen, die er alle persönlich in den USA besucht hat. Er begleitet den „geläuterten“ Chefkoch Aaron (der früher Gänsestopfleber anbot), Rennradfahrer Jack (der mehr Leistung durch pflanzliche Ernährung erzielt) und die junge Kati aus Münster , die ihre Eltern vom veganen Leben überzeugt.

„Auch Tiere sind Individuen und müssen so behandelt werden“, lautet das Credo zahlreicher Aktivisten. Der Film zeigt den Wandel des Landwirtepaares Jan Gerdes und Karin Mück von der Intensivtierhaltung von Milchkühen zum Kuh-Altersheim voller Tiere, die aus Versuchslaboren oder aus unwürdiger Tierhaltung gerettet wurden. Er begleitet Aktivisten, die Hühner aus einer Legehennenhaltung befreien und zeigt wie unverhältnismäßig streng die Polizei in Spanien mit Aktivisten umgeht.

Filmemacher Pierschel (35) ist seit 18 Jahren Veganer: „Ich war damals mit meinem Vater angeln. Der wollte alle Fische selber erschlagen. Ich schmiss sie wieder ins Wasser zurück.“

Eine Stärke des Filmes ist die Vielfalt an Zusammenhängen, wie die Verbindung von Tierprodukten und Zivilisationskrankheiten oder zwischen Landwirtschaft und Klimawandel. Einziger Makel: Für eine objektive Doku wäre es von Vorteil gewesen, neben Veganern auch Nicht-Veganer zu Wort kommen zu lassen. Die Ausführungen mancher Interviewpartner über Nicht-Veganer klingen überzogen und klischeebehaftet. Insgesamt bietet der Film einen guten Einblick in eine Lebenskultur , die sich mit Tieren auf eine gleiche Ebene stellt, sie als Kameraden sieht und nicht als Mittel zum Zwecke eigener Ernährung oder Bekleidung.

Regisseur Pierschel hat den Film allein über Crowd­funding gestemmt. Mit Erfolg. Rund 18 000 Euro kamen zusammen. Eine Fassung für Schulen wird vorbereitet. „Jetzt gönne ich mir erstmal Urlaub vom Film“, sagt Pierschel, der in den letzten drei Jahren jede freie Minute geopfert hat. So wird er jetzt wieder über die Promenade joggen und in den Baumbergen Rennrad fahren. 

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