Gäste aus Holland zum Geburtstag
Jahresausstellung der Ateliergemeinschaft Schulstraße mit Künstlern aus Deventer

Münster -

Zum Geburtstag überreicht man Blumen. Die „Schulstraße 64“ scheint sich unbewusst einen Strauß geschenkt zu haben. Die Ateliergemeinschaft besteht seit drei Jahrzehnten. Und interessanterweise findet sich bei der Jubiläums-Jahresausstellung mit dem Titel „11 000 Tage“ sehr viel Florales in der Kunst.

Mittwoch, 06.11.2013, 18:11 Uhr

Wanda Schaap aus Deventer hat Figuren rund um das Gebäude installiert.
Wanda Schaap aus Deventer hat Figuren rund um das Gebäude installiert. Foto: Gerhard H. Kock

Sogar ein fast klassisches Blumen-Stillleben ist vertreten. Irmgard Lamers ist von der Amaryllis fasziniert, die ihre Lebenskraft in der Zwiebel hat. Lamers ist eine von 13 Gästen der Ateliergemeinschaft Deventer , die das Treppenhaus und einige Ateliers mit ihren höchst unterschiedlichen künstlerischen Positionen bereichern. Auf den exotischen Rittersporn von Lamers hat Verena Püschel reagiert. Bei ihr fallen die Blütenblätter als Skulpturen von der Wand, weil die Blüte für die Pflanze oft zu schwer ist, so dass sie gleichsam unter ihren eigenen Schönheit zusammenbricht.

Pflanzlich sind auch die Bilder von Susanne von Bülow. Dabei zeigen sie auf bald hundert Jahre alte Narben des Krieges. Die Künstlerin hat in den Vogesen Urlaub gemacht, ist dort in der Natur überall über Stacheldraht und Patronenhülsen aus dem Ersten Weltkrieg gestolpert – und über Blaubeerbüsche. Von Bülow hat die Blaubeeren genommen, mit dem Saft Kriegsgräber und Bombentrichter skizziert. Sie wollte aber auch den Bogen ins friedliche Heute spannen. So sind auf großformatigen Bildern Kinder zu sehen, die Blaubeeren pflücken. Die Blaubeerspuren wirken hier wie Einschusslöcher.

Zu den interessanten politischen Positionen gehört Constanze Unger , die Gast der Malerin Anita Gryziecka ist. Unger (auch Leiterin der Akademie für Gestaltung im Handwerkskammer-Bildungszentrum) hat Kleidung aus Billiglohnländern genommen und sie in aufwendiger Handarbeit bestickt. „Made in China“ steht jetzt auffällig groß auf dem schwarzen Cocktailkleid.

Spielerisches hat Christine Rokahr entwickelt. Auf beidseitig unterschiedlich bemalten Rauten lassen sich isometrische Würfel legen. Die Spieler sollen dabei stumm auf die Farbwahl des Gegenübers reagieren, quasi über das Hinzulegen oder Umdrehen mit ihm kommunizieren. Es entstehen verblüffend emotionale Dialoge.

Dorothee Busch zeigt als Gast, dass die klassische Collage noch wirkmächtig ist. Über Meereswogen hat sie Motive wie die „Parkettschleifer“ von Gustave Caillebotte gelegt, die in diesem Kontext eine völlig neue Schönheit entfalten,

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Die Eröffnung ist am Donnerstag (7. November) um 19 Uhr in der Schulstraße 43. Geöffnet ist Freitag und Samstag von 15 bis 20 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

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