Lieber sanft als schrecklich
Kammerchor sang Spohr-Oratorium in der Mutterhauskirche

Münster -

Was kommt nach dem irdischen Leben, wohin reist die Seele? Gibt es die Vollendung in Gott, oder steht uns das endgültige Scheitern bevor? Als sich Louis Spohr in den 1820er Jahren mit diesen eschatologischen Fragen beschäftigte, war die Erfahrung des Krieges und der Zerstörung noch ganz frisch. Für Spohr Grund genug, sich musikalisch diesem Thema zu nähern. Heraus kam das Oratorium „Die letzten Dinge“, am Sonntag aufgeführt als klingender Abschluss einer interdisziplinären Spohr-Tagung des Exzellenz-Clusters „Religion und Politik“.

Montag, 18.11.2013, 22:11 Uhr

Der Kammerchor von Herz-Jesu und die Nordwestdeutsche Philharmonie präsentierten das Spohr-Oratorium.
Der Kammerchor von Herz-Jesu und die Nordwestdeutsche Philharmonie präsentierten das Spohr-Oratorium. Foto: cws

In rund 90 Minuten meditiert Spohr über Verse aus der Offenbarung des Johannes, der Apokalypse. Die bietet eigentlich jede Menge plastischer und drastischer Bilder, doch Spohrs Libretto hält sich weitgehend an Worte der Hoffnung und Erlösungsgewissheit, gekleidet in eine Musik ohne wirkliche dramatische Ausbrüche. An Haydn erinnert seine Klangsprache, an Albert Lortzing und ein klein wenig an Mendelssohn.

Das Sanfte, Ätherische liegt Spohr mehr als die Schilderung der Schrecken und Drohungen. Soll dies über die Aufführungsdauer tragen, bedarf es einer wirklich exquisiten Umsetzung. Und in dieser Hinsicht bot das Konzert in der Mutterhauskirche der Franziskanerinnen absolute Qualität.

Michael Schmutte verfügte mit dem Kammerchor an der Herz-Jesu-Kirche über durch und durch kultiviertes Stimm-Material mit großem Potenzial zu feinster dynamischer Gestaltung, im Gesamtklang rund und geschlossen. Die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford kolorierte in schönsten Farben und ließ das Zuviel an Trugschlüssen, an Alterationen und den eher bescheidenen Erfindungsreichtum Spohrs oft vergessen.

Geadelt wurden die „Letzten Dingen“ nicht zuletzt durch die Vokalsolisten: Michael Feyfar als geradezu idealer Oratorien-Tenor mit stets punktgenauer Intonation und großer Strahlkraft, Andrea Lauren Brown mit anmutigem Sopran, Stefan Zenkl mit stattlichem Bass. Sunniva Eliassen führte ihren Alt ein wenig zu sehr geradeaus und mochte sich mit ihrer gänzlich vibratolosen Stimme nicht so recht ins Solistenquartett einfügen.

„Herr, komme bald“ heißt es am Ende der Apokalypse. Spohr entschied sich indes für ein „Halleluja! Amen.“ Da muss die Erlösung doch sicher sein.

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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