Locker gehäkelt bis dicht gestrickt
Mayumi Hirasaki und Christine Schornsheim boten grandiose Leistung im Erbdrostenhof

Münster -

Vielleicht war den Romantikern die filigrane, ja zerbrechliche Musik, die Johann Sebastian Bach für Violine solo geschrieben hat, einfach ein klein wenig zu nackt. Und vielleicht haben sie ihr deshalb ein neues, der Zeit gemäßes und mit der Mode gehendes Kleidchen verpasst. Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann taten es je auf ihre Weise – und so sind zwei ganz verschiedene Versionen der berühmten Chaconne ­d-Moll überliefert, in denen das Klavier ein harmonisches Fundament beisteuert. Geigerin Mayumi Hirasaki und Pianistin Christine Schornsheim stellten am Montag beim Erbdrostenhofkonzert diese interessanten Bearbeitungen ihrem Publikum vor.

Dienstag, 14.01.2014, 17:01 Uhr

Perfektes Miteinander: Geigerin Mayumi Hirasaki (l.) und Pianistin Christine Schornsheim
Perfektes Miteinander: Geigerin Mayumi Hirasaki (l.) und Pianistin Christine Schornsheim Foto: cws

Bachs Chaconne ist ja zweifellos ein absoluter Solitär in der Geigenliteratur – vom Meister selbst womöglich mit einem biografisch-theologischen Subtext unterlegt: Er schrieb sie 1720 nach Rückkehr von einer längeren Reise, bei der er seine Frau tot und begraben vorfinden musste. Diese Ebene berühren aber weder Mendelssohn noch Schumann, vielmehr unterstreichen sie „nur“ harmonische Zusammenhänge, mal mehr, mal weniger.

Im Fall Mendelssohns ist das Kleidchen locker gehäkelt , Schumann dagegen stickt mit feiner Nadel ein dichtes Gewebe – beides zeitigt seine Wirkung. Und für Mayumi Hirasaki war es ein zweifacher Parforce-Ritt durch Bachs anspruchsvolle, kühne und wechselvolle Klanglandschaft, gebildet aus einer Handvoll Tönen. Eine ganz grandiose Leistung.

Christine Schornsheim , schon Stammgast im Erbdrostenhof, brillierte am Graf-Flügel vor allem in Mendelssohns Begleitung zum E-Dur-Präludium für Violine und gab eine zutiefst grüblerische Version des ­b-Moll-Präludiums aus dem „Wohltemperierten Klavier“ in der Lesart von Carl Czerny. Fast hörte man hier schon das „Fremd bin ich eingezogen“, mit dem Franz Schubert den imaginären Wanderer auf die Winterreise schickt. Zum Langstreckenlauf dagegen wurde Mendelssohns f-Moll-Opus Nummer 35: eine Bravourleistung von Schornsheim!

Was diesen Abend ganz wesentlich prägte: das perfekte Miteinander der beiden Solistinnen bis hinein in kleinste Ausdrucksnuancen. Schön, dass es zum Schluss mit Mendelssohns atem(be)raubender F-Dur-Sonate noch richtig luftig-leichte Sommermode und passend dazu einen brausenden Scirocco gab.

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